Digital-Gipfel 2026 in Berlin gestartet: Merz, KI-Souveränität und ein humanoider Roboter im Mittelpunkt
Am Montag, dem 2. November 2026, hat in Berlin der Digital-Gipfel 2026 der Bundesregierung begonnen. Zwei Tage lang diskutieren Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in den Wilhelm Hallen im Bezirk Reinickendorf über die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in Deutschland und Europa. Das Leitmotiv lautet „Shaping AI: safe, sovereign, competitive“, also KI sicher, souverän und wettbewerbsfähig gestalten. Eröffnet wurde der Gipfel von Bundesdigitalminister Karsten Wildberger. Am Montagnachmittag besucht Bundeskanzler Friedrich Merz die Veranstaltung, hält eine Rede und nimmt an einer Pressekonferenz teil. Der Gipfel baut nach Angaben des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung auf dem vorherigen Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität auf und rückt die vielen Facetten der KI in den Mittelpunkt, von politischen und strategischen Fragen über Anwendungen und Sicherheit bis hin zu einem lebendigen KI-Ökosystem.
Was beim Digital-Gipfel 2026 auf dem Programm steht
Das Bühnenprogramm begann am Montag um 10.00 Uhr, am Dienstag startet es um 9.00 Uhr. Am ersten Tag ist die Konferenzsprache Englisch, mit deutscher Übersetzung, am zweiten Tag läuft das Programm auf Deutsch. Die Bundesregierung stellt Livestreams des Programms auf Deutsch, Englisch und in Gebärdensprache bereit, sodass Interessierte die Debatten auch von zu Hause verfolgen können. Das Eröffnungspanel widmet sich den Lehren aus den Berichten von Mario Draghi und Enrico Letta zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit. Beide Berichte hatten in den vergangenen Jahren eine breite Debatte über Europas wirtschaftliche Stärke und seine technologische Abhängigkeit ausgelöst. Genau an diese Debatte knüpft der Gipfel an: Wie kann Europa bei KI mithalten, ohne seine Sicherheitsansprüche und seine Werte aufzugeben?
Auf dem Programm steht eine breite Palette an Themen der digitalen Transformation. Dazu gehören nach Angaben des Digitalverbands Bitkom unter anderem polizeiliche und behördliche Datenanalyse, digitale Bildung, KI-Kompetenzen in der Arbeitswelt und die Zukunft der deutschen Chipindustrie. Ein Roundtable widmet sich der Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierten Unternehmen. Erwartet werden in Berlin unter anderem Digitalminister aus Europa und Kanada, Vertreter der Europäischen Kommission, Mitglieder des Deutschen Bundestages, hochrangige Vertreter der Bundesländer sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Der Gipfel ist damit eines der wichtigsten digitalpolitischen Treffen des Jahres in Deutschland.
Merz am Montagnachmittag: Rede, Roboter und Roundtable
Einen besonderen Akzent setzt der Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz am Montagnachmittag. Nach Angaben der Bundesregierung hält Merz eine Rede, begegnet einem Roboter des Unternehmens NEURA Robotics und nimmt an einem Roundtable mit Wirtschaftsvertretern teil. Abschließend gibt der Kanzler gemeinsam mit Bundesdigitalminister Wildberger eine Pressekonferenz. Berichten zufolge ist die Rede für etwa 14.15 Uhr angesetzt.
Im Zentrum des Kanzlerbesuchs steht die Präsentation von NEURA Robotics. Die vom Unternehmen entwickelten humanoiden Roboter verfügen über Seh-, Hör- und Tastfähigkeiten und sind für den Einsatz in Industrie und Privathaushalten konzipiert. Dass ein solcher Roboter beim Besuch des Kanzlers gezeigt wird, unterstreicht, wie stark die Bundesregierung Robotik mit der KI-Strategie verknüpft.
Sicher, souverän, wettbewerbsfähig: die drei Leitbegriffe
Das Motto des Gipfels fasst drei Ziele zusammen, die in der KI-Debatte oft als Spannungsfeld beschrieben werden. Sicher bedeutet: KI-Systeme sollen verlässlich arbeiten, Daten schützen und gegen Missbrauch und Angriffe gewappnet sein. Souverän bedeutet: Deutschland und Europa sollen bei Schlüsseltechnologien weniger von Anbietern aus anderen Weltregionen abhängig sein, etwa bei Cloud-Infrastruktur, Chips und KI-Modellen. Wettbewerbsfähig bedeutet: Unternehmen hierzulande sollen mit KI schneller, produktiver und innovativer werden, statt im internationalen Vergleich zurückzufallen.
Die Bundesregierung betont, dass Sicherheit gestaltet werden soll, ohne Innovationen zu bremsen. Das ist leichter gesagt als getan. Gerade in den vergangenen Monaten wurde in Deutschland intensiv über Regulierung, den EU AI Act und die Balance zwischen Schutz und Tempo diskutiert. Beim Gipfel soll es nun darum gehen, aus dieser Debatte konkrete Schritte abzuleiten. Für das erste Quartal 2027 kündigte die Bundesregierung zudem den Start einer Europäischen Digitaldialog-Initiative an. Sie soll den Austausch über digitale Themen auf europäischer Ebene verstetigen.
Was Unternehmen und Verbände fordern
Auch Verbände und Unternehmen nutzen den Gipfel, um ihre Erwartungen an die Politik zu formulieren. So regen nach Berichten unter anderem Bundesbank-Vorständin Köhler-Geib, die Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Claudia Plattner, sowie die hessische Digitalministerin Sinemus an, dass die EU-Kommission den Cloud-Bedarf der öffentlichen Hand in zwei Großverträgen bündeln solle. Dahinter steht die Idee, durch gemeinsame Beschaffung europäische Cloud-Anbieter zu stärken und die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) verlangte flankierend eine Vertiefung des digitalen Binnenmarkts, mehr Wagniskapital und rechtssichere Vorgaben für das Trainieren von KI-Modellen. Gerade die Frage, unter welchen Bedingungen Unternehmen Daten für das KI-Training nutzen dürfen, beschäftigt viele Firmen. Der Bitkom wiederum fordert, die Bundesregierung solle ihre KI-Initiativen stärker bündeln, gemeinsame Prioritäten setzen und beim Gipfel konkrete Ergebnisse liefern. Aus Sicht des Verbands reicht es nicht, über digitale Souveränität zu sprechen. Entscheidend sei, Abhängigkeiten jetzt effizient zu verringern.
Der zeitliche Kontext des Gipfels ist brisant. Nur einen Tag vor dem Gipfel war bekannt geworden, dass Apple iPhones von Bundestagsabgeordneten und Regierungsmitgliedern vor möglicher Söldner-Spähsoftware gewarnt hatte. Das BSI informierte die Betroffenen nach Angaben von Digitalminister Wildberger schriftlich. Ob Geräte tatsächlich kompromittiert wurden, ist bislang nicht bekannt. Die Debatte über sichere Geräte und digitale Souveränität begleitet den Gipfel damit ganz praktisch, auch wenn sie nicht offiziell auf der Tagesordnung steht.
Livestreams und Ausblick auf den zweiten Tag
Wer den Gipfel verfolgen möchte, kann die Livestreams der Bundesregierung nutzen. Sie werden auf Deutsch, Englisch und in Gebärdensprache angeboten. Am Dienstag läuft das Bühnenprogramm auf Deutsch. Zum Abschluss ziehen Bundestagsabgeordnete beim Format „Bitkom Tacheles Spezial” Bilanz zum Gipfel. Beobachter werden vor allem darauf achten, ob der Gipfel über allgemeine Bekenntnisse hinaus konkrete Vorhaben hervorbringt.
Der Digital-Gipfel hat eine lange Geschichte. Bis 2016 hieß die Veranstaltung Nationaler IT-Gipfel. Ob der Gipfel 2026 seinem Anspruch gerecht wird, zeigt sich spätestens an den Ergebnissen, die am Dienstagabend bilanziert werden.



Post Comment