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Münchner Start-up Marble Cognition sammelt 3,75 Millionen Dollar für KI-Mitarbeiter, die Arbeitsabläufe lernen

Münchner Start-up Marble Cognition sammelt 3,75 Millionen Dollar für KI-Mitarbeiter, die Arbeitsabläufe lernen

Münchner Start-up Marble Cognition sammelt 3,75 Millionen Dollar für KI-Mitarbeiter, die Arbeitsabläufe lernen

Ein Münchner Start-up will Büroarbeit anders automatisieren als bisherige Software. Marble Cognition hat Anfang November 2026 eine Pre-Seed-Finanzierung über 3,75 Millionen Dollar bekannt gegeben, umgerechnet rund 3,35 Millionen Euro. Angeführt wurde die Runde gemeinsam von Heartcore Capital und Seedcamp. Mehrere Fachmedien berichteten am 2. November 2026 über den Abschluss, darunter Tech.eu, EU-Startups und SiliconANGLE. Eine Bewertung des Unternehmens wurde dabei nicht genannt.

Die Idee klingt auf den ersten Blick einfach und ist in der Praxis anspruchsvoll. Marble beobachtet, wie Beschäftigte ihre Aufgaben in den Programmen erledigen, die sie ohnehin nutzen. Aus diesen Beobachtungen entsteht eine strukturierte Prozesskarte. Erst auf dieser Grundlage übernehmen KI-Agenten, die das Unternehmen Marble Coworkers nennt, wiederkehrende Vorgänge von Anfang bis Ende. Wo eine Entscheidung oder eine Freigabe nötig ist, soll der Fall an einen Menschen zurückgehen. Genau dieser Zwischenschritt unterscheidet den Ansatz von einer Automatisierung, die stur nach festen Regeln abläuft.

Was Marble Cognition genau macht

Marble wurde Ende 2025 von Felix Rösner und Christophe Schmit gegründet. Die beiden lernten sich laut Berichten im Münchner CDTM-Programm kennen, das Studierende aus Technik und Management zusammenbringt. Rösner war zuvor im Vertrieb von KI-Agenten tätig, Schmit forschte unter anderem am MIT und arbeitete bei Enam. Ihr Produkt ist eine Desktop-Anwendung, die Bildschirmaktivitäten, Klicks und Tastatureingaben innerhalb von Geschäftsanwendungen auswertet und daraus Abläufe ableitet.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge. Das System soll zuerst verstehen, wie ein Vorgang in der Praxis wirklich läuft, bevor es ihn ausführt. In vielen Unternehmen steht das Wissen über solche Abläufe nämlich nirgendwo vollständig geschrieben. Es steckt in Gewohnheiten, in Ausnahmen und in kleinen Umwegen, die Beschäftigte über Monate gelernt haben. Eine Prozesskarte macht dieses Wissen sichtbar und für eine Maschine lesbar. Die Coworkers nutzen diese Karte dann, um denselben Vorgang in den bereits vorhandenen Programmen zu bearbeiten, also über Computer- und Browsernutzung statt über einen kompletten Austausch der Softwarelandschaft.

Als Kunden nennt Marble unter anderem EGYM, Mutares und Enam. Zielgruppe sind vor allem Technologieunternehmen und Firmen mit Private-Equity-Beteiligung. Die Schwerpunkte liegen in Kundenservice, Finanzen, operativen Abläufen und Vertrieb. Ob die Kunden die Software bereits breit einsetzen oder in Pilotprojekten testen, geht aus den Berichten nicht im Detail hervor.

Wer investiert und wofür das Geld gedacht ist

Die Runde wurde gemeinsam von Heartcore Capital und Seedcamp angeführt. Seedcamp war laut Berichten auch ein früher Investor bei UiPath, einem der bekanntesten Unternehmen für Prozessautomatisierung. Daneben beteiligten sich Angel-Investoren, die in den Meldungen nur über ihre Rollen beschrieben werden: ein Vorstandsmitglied von Datadog, ein Gründer von Personio sowie Führungskräfte von McKinsey, Mistral AI und Lovable. Namen einzelner Angel-Investoren wurden nicht veröffentlicht.

Mit dem frischen Kapital will Marble drei Dinge vorantreiben. Erstens soll die Inferenzkapazität ausgebaut werden, also die Rechenleistung, mit der die KI-Modelle im laufenden Betrieb Antworten und Aktionen erzeugen. Zweitens soll das Kernteam für Technik in München wachsen. Drittens plant das Unternehmen den Markteintritt in den Vereinigten Staaten. Ein konkretes Datum für den US-Start wurde in den Berichten nicht genannt. Es handelt sich also um ein Vorhaben, nicht um einen bereits abgeschlossenen Schritt. Auch eine Aufteilung der Summe auf die drei Ziele wurde nicht bekannt.

Für ein so junges Unternehmen ist die Runde ein Vertrauensbeweis, aber kein Erfolgsnachweis. Die Bewährungsprobe beginnt erst jetzt, wenn aus ersten Kunden wiederkehrende Einnahmen werden müssen und sich zeigen muss, ob die Prozesskarten auch bei komplexen Vorgängen zuverlässig funktionieren.

Warum der Ansatz gerade jetzt Aufmerksamkeit bekommt

KI-Agenten sind 2026 eines der meistdiskutierten Themen der Tech-Branche. Viele Anbieter versprechen eigenständige Aufgabenerledigung, doch in der Praxis scheitern solche Versprechen oft an unvollständigen Anleitungen. Ein Agent mit nur einer groben Vorgangsbeschreibung rät an den entscheidenden Stellen. Ein Agent, der aus vielen echten Vorgängen gelernt hat, kennt dagegen eher die üblichen Varianten und Ausnahmen. Genau hier setzt Marble an.

Gleichzeitig wirft der Ansatz Fragen auf, die jedes Unternehmen vor einem Einsatz klären sollte. Werden Aufnahmen so verarbeitet, dass einzelne Beschäftigte nicht identifizierbar sind? Wer prüft die Prozesskarte, bevor ein Agent sie ausführt? Was passiert, wenn ein Vorgang von der Routine abweicht? Laut Berichten betont Marble, dass Daten aggregiert verarbeitet werden und erfasste Abläufe vor der Nutzung geprüft werden können. Wie streng diese Prüfungen in der Praxis ausfallen, lässt sich aus den Meldungen nicht abschließend beurteilen. Für Betriebsräte und Datenschutzbeauftragte ist das ein zentraler Punkt.

Auch der Wettbewerb ist nicht klein. Etablierte Anbieter für Prozessanalyse arbeiten seit Jahren an ähnlichen Ideen, und in München sammelte erst im März 2026 das Start-up Interloom 16,5 Millionen Dollar in einer Seed-Runde ein. Marble muss zeigen, worin sein Verfahren besser oder einfacher ist. Ein Vorteil liegt in der Kombination aus beobachten, kartieren und ausführen, ohne dass ein Unternehmen seine Prozesse erst von Hand dokumentieren muss. Ein Nachteil liegt im Vertrauen: Niemand lässt einen Agenten gern auf echte Kundendaten los, solange nicht klar ist, wie Fehler erkannt und gestoppt werden.

Was das für München und den deutschen KI-Standort bedeutet

München ist neben Berlin einer der wichtigsten KI-Standorte in Deutschland. Universitäten, Forschungsinstitute und große Unternehmen sitzen dort dicht beieinander, und das CDTM-Programm bringt regelmäßig Gründerteams hervor. Dass Heartcore und Seedcamp gemeinsam in ein Münchner Team investieren, zeigt, dass Kapitalgeber deutsche KI-Teams auch ohne große Umsätze ernst nehmen, solange das Problem klar und der erste Kundenzugang sichtbar ist.

Für Beschäftigte ist die Botschaft zwiespältig. Ein gut trainierter Coworker kann monotone Routinearbeit übernehmen, etwa das Übertragen von Daten zwischen Systemen. Gleichzeitig verändert sich die Arbeit: Wer bisher Routinefälle bearbeitet hat, muss künftig stärker prüfen, Ausnahmen bearbeiten und Prozesse verbessern. Unternehmen sollten ihre Teams früh einbeziehen und offen sagen, welche Aufgaben wegfallen und welche neu entstehen.

Marble steht damit an einem typischen Punkt für ein junges KI-Unternehmen: Die Finanzierung ist gesichert, die Idee ist verständlich, die ersten Kunden sind benannt, aber der Beweis im Alltag steht noch aus. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Coworkers zuverlässig laufen, ob die Datenschutzversprechen halten und ob der US-Markteintritt gelingt.

Frequently Asked Questions

Was ist Marble Cognition?

Marble Cognition ist ein Münchner Start-up, das Ende 2025 von Felix Rösner und Christophe Schmit gegründet wurde. Es entwickelt KI-Agenten namens Marble Coworkers, die Arbeitsabläufe aus echten Vorgängen lernen und sie dann in den Programmen ausführen, die ein Unternehmen bereits nutzt.

Wie viel Geld hat Marble Cognition eingesammelt?

Das Unternehmen hat eine Pre-Seed-Runde über 3,75 Millionen Dollar bekannt gegeben, umgerechnet rund 3,35 Millionen Euro. Die Runde wurde gemeinsam von Heartcore Capital und Seedcamp angeführt. Eine Unternehmensbewertung wurde nicht veröffentlicht.

Wofür will Marble das Kapital verwenden?

Laut Berichten soll das Geld in den Ausbau der Inferenzkapazität fließen, das Technikteam in München vergrößern und den Markteintritt in den Vereinigten Staaten unterstützen. Ein Datum für den US-Start wurde bisher nicht genannt.

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