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Fahrerlose Elektro-Lkw bei Lorenz Snacks: Einride startet autonomen Werksverkehr in Bayern

Fahrerlose Elektro-Lkw bei Lorenz Snacks: Einride startet autonomen Werksverkehr in Bayern

Fahrerlose Elektro-Lkw bei Lorenz Snacks: Einride startet autonomen Werksverkehr in Bayern

Auf dem Werksgelände von Lorenz Snacks in Neunburg vorm Wald fahren seit Anfang November Lastwagen ohne Fahrer und ohne Führerhaus. Vier autonome Elektrofahrzeuge des schwedischen Unternehmens Einride übernehmen dort den Transport zwischen den Produktionshallen und dem Zentrallager. Die Fahrzeuge fahren leise, stoßen keine Abgase aus und werden mit Strom aus der Photovoltaikanlage des Werks geladen. Für die deutsche Lebensmittelindustrie ist das Projekt ein Blick in eine Zukunft, in der der innerbetriebliche Verkehr elektrisch und automatisiert läuft.

Bekannt gegeben wurde der Start am 5. November 2026, einen Tag nach der ersten gemeinsamen Vorstellung des Projekts vor Ort. Lorenz Snacks, ein Familienunternehmen in vierter Generation mit rund 3.000 Beschäftigten, produziert dort unter anderem Chips, Erdnussflips, Salzstangen, Cracker und Nüsse. Die Marken Crunchips, Saltletts und NicNac’s gehören zu den bekanntesten Namen im europäischen Snackregal. Der Standort liegt im Landkreis Schwandorf in der Oberpfalz, und genau dort testet das Unternehmen jetzt, wie weit autonomes Fahren im geschlossenen Werksverkehr schon gekommen ist.

Was die Fahrzeuge leisten

Die vier Fahrzeuge sind sogenannte eBots, die neueste Generation der autonomen Lkw von Einride. Sie haben kein Führerhaus, kein Lenkrad und keinen Platz für einen Fahrer. Stattdessen fahren sie mit Sensoren, Kameras und Software, die ihre Umgebung laufend erfassen und jede Fahrt planen. Jedes Fahrzeug kann bis zu 15 Europaletten laden. Zusammen sollen sie im Durchschnitt bis zu 1.200 Paletten pro Tag bewegen, in Spitzenzeiten auch deutlich mehr.

Transportiert werden fertige Waren, Rohstoffe und leere Paletten, also genau die Ladung, die auf einem Werksgelände ständig zwischen Produktion und Lager hin und her muss. Gesteuert und koordiniert wird der gesamte Ablauf von Einrides Softwareplattform Saga AI, die die Fahrten plant, synchronisiert und an den Produktionsrhythmus anpasst. Zwei herkömmliche Elektro-Lkw stehen als Reserve bereit, falls ein autonomes Fahrzeug gewartet werden muss oder der Bedarf kurzfristig steigt.

Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und gilt bei Lorenz als zentraler Baustein der eigenen Logistikstrategie. Ziel ist es, den innerbetrieblichen Transport vollständig auf Elektroantrieb umzustellen und gleichzeitig die Abläufe planbarer zu machen. Der Strom für die Fahrzeuge kommt von der Photovoltaikanlage auf dem Werksgelände, was den CO2-Ausstoß des Werksverkehrs weiter senkt.

Warum ein geschlossenes Gelände der ideale Start ist

Autonomes Fahren auf öffentlichen Straßen ist in Deutschland streng geregelt und kommt nur langsam voran. Auf einem privaten Werksgelände gelten andere Bedingungen: Es gibt keine entgegenkommenden Autos, keine Fußgänger an Ampeln und keine unvorhersehbaren Verkehrssituationen. Die Wege sind fest, die Abläufe wiederholen sich, und die Fahrzeuge fahren mit angepasster Geschwindigkeit. Genau deshalb eignet sich der Werksverkehr als Einstieg für die Technik.

Für Lorenz ist das auch eine Frage der Verlässlichkeit. Ein autonomes Fahrzeug hält seine Routen und Zeiten exakt ein, braucht keine Pausen und meldet seinen Zustand laufend an die Zentrale. Wenn ein Fahrzeug ausfällt, springt die Reserve ein. Das Unternehmen betont, dass es bei dem Projekt nicht um den Ersatz von Arbeitsplätzen geht, sondern um eine Ergänzung: Die Fahrerinnen und Fahrer, die bisher die Diesel-Fahrzeuge im Werk bewegt haben, arbeiten künftig in anderen Bereichen der Logistik, etwa in der Planung, der Überwachung und der Wartung des neuen Systems.

Ein Preis als Rückenwind

Das Projekt hat schon vor dem Start Aufmerksamkeit bekommen. Im Oktober wurde das zugrunde liegende Logistikkonzept mit dem Namen PATHFINDER beim Deutschen Logistik-Preis 2026 mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit einen Ansatz, der autonomes Fahren nicht als ferne Vision, sondern als praktisch umsetzbare Lösung für den Werksverkehr beschreibt. Die Auszeichnung zeigt, dass die Branche solche Projekte inzwischen ernst nimmt und nicht mehr nur als Experiment betrachtet.

Einride selbst ist kein Neuling auf dem deutschen Markt. Das schwedische Unternehmen ist an der Nasdaq notiert und hat im September angekündigt, gemeinsam mit Lidl einen selbst entwickelten autonomen Elektro-Lkw auf öffentlichen Straßen in Hessen zu testen. Der Einsatz bei Lorenz ist dagegen der erste größere Schritt in den laufenden Werksbetrieb eines deutschen Herstellers, und er läuft unter realen Produktionsbedingungen, nicht auf einer Teststrecke.

Was das für andere Unternehmen bedeutet

Wenn die Fahrzeuge bei Lorenz zuverlässig laufen, wird das Projekt schnell Nachahmer finden. Viele produzierende Unternehmen in Deutschland haben ähnliche Abläufe: Waren müssen zwischen Hallen, Lagern und Verladezonen bewegt werden, oft rund um die Uhr und oft mit Diesel-Fahrzeugen. Ein System, das diese Fahrten elektrisch und autonom erledigt, spart Kraftstoff, senkt Emissionen und macht die Logistik planbarer.

Gleichzeitig bleibt die Technik anspruchsvoll. Die Fahrzeuge müssen mit wechselndem Wetter, mit Baustellen auf dem Gelände und mit anderen Fahrzeugen zurechtkommen. Auch die Ladeinfrastruktur muss zum Betrieb passen, und die Software muss lernen, wie sich der Werksverkehr an einem normalen Produktionstag tatsächlich verhält. Die fünf Jahre Laufzeit geben beiden Partnern Zeit, das System Schritt für Schritt zu verbessern und aus dem Pilotbetrieb einen festen Bestandteil der Werkslogistik zu machen.

Für die Region Oberpfalz ist das Projekt auch ein Signal. Ein mittelständisches Familienunternehmen zeigt, dass neue Technik nicht nur in den großen Städten oder in den Konzernzentralen stattfindet, sondern auch in einem Werk in Neunburg vorm Wald. Wenn der autonome Werksverkehr dort Alltag wird, könnte er zum Vorbild für viele andere Standorte in Deutschland werden.

Frequently Asked Questions

Was genau machen die autonomen Fahrzeuge bei Lorenz Snacks?

Die vier fahrerlosen Elektro-Lkw transportieren fertige Waren, Rohstoffe und leere Paletten zwischen den Produktionshallen und dem Zentrallager auf dem Werksgelände in Neunburg vorm Wald. Sie fahren ohne Fahrer und ohne Führerhaus und werden von Einrides Softwareplattform Saga AI gesteuert. Im Durchschnitt sollen sie bis zu 1.200 Paletten pro Tag bewegen.

Sind die Fahrzeuge wirklich komplett fahrerlos?

Ja, auf dem Werksgelände fahren sie vollständig autonom. Es gibt keinen Fahrer an Bord und kein Führerhaus. Die Fahrzeuge nutzen Sensoren, Kameras und Software, um ihre Umgebung zu erfassen und sicher zu fahren. Da sie nur auf privatem Gelände unterwegs sind, gelten andere Regeln als auf öffentlichen Straßen. Zwei herkömmliche Elektro-Lkw stehen als Reserve bereit.

Warum stellt Lorenz Snacks auf autonome Elektro-Lkw um?

Das Unternehmen will den innerbetrieblichen Transport elektrisch und planbarer machen und den CO2-Ausstoß senken. Die Fahrzeuge werden mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage geladen. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und Teil der Logistikstrategie von Lorenz. Das zugrunde liegende Konzept PATHFINDER wurde im Oktober 2026 beim Deutschen Logistik-Preis mit dem dritten Platz ausgezeichnet.

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