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KI als Betriebssystem: Cyberagentur schreibt Forschung für KI-native Systeme mit 6,5 Millionen Euro aus

KI als Betriebssystem: Cyberagentur schreibt Forschung für KI-native Systeme mit 6,5 Millionen Euro aus

KI als Betriebssystem: Cyberagentur schreibt Forschung für KI-native Systeme mit 6,5 Millionen Euro aus

Künstliche Intelligenz steckt heute in fast jedem Computer, doch sie läuft fast immer nur als Zusatz auf einem klassischen Betriebssystem. Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit, kurz Cyberagentur, will das nun grundlegend hinterfragen. Am 28. Oktober 2026 hat sie das Forschungsprogramm „Artificial Intelligence as Operating System", kurz AI-as-OS, ausgeschrieben. Dafür stehen 6,5 Millionen Euro als geschätztes Auftragsvolumen ohne Umsatzsteuer bereit. Teilnahmeanträge können bis zum 10. Dezember 2026 um 12 Uhr über die Vergabeplattform des Bundes eingereicht werden.

Die Kernfrage des Programms klingt zunächst abstrakt, hat aber praktische Folgen für die Sicherheit unserer Rechner. Was passiert, wenn KI nicht mehr nur eine Anwendung ist, sondern selbst die zentralen Steuerungsfunktionen eines Betriebssystems übernimmt? Wer entscheidet dann, welche Programme laufen, welche Daten fließen und welche Zugriffe erlaubt sind? Genau diese Fragen soll die Grundlagenforschung beantworten, bevor solche Systeme in der Praxis auftauchen.

Was AI-as-OS eigentlich erforschen soll

Die Cyberagentur beschreibt drei Forschungsbereiche. Erstens geht es um KI-zentrierte Betriebssystemarchitekturen, also um den grundsätzlichen Aufbau eines Systems, in dem KI das Steuer übernimmt. Zweitens sollen KI-native Kernmechanismen für die Ressourcen- und Prozesssteuerung untersucht werden, also die Frage, wie ein solches System Arbeitsspeicher, Rechenleistung und laufende Prozesse verwaltet. Drittens geht es um neue Ansätze für Kontrolle, Sicherheit und Stabilität solcher Systeme.

Diese Dreiteilung ist kein Zufall. Ein Betriebssystem muss zuverlässig laufen, auch wenn etwas schiefgeht. Bei klassischer Software lässt sich in der Regel nachvollziehen, warum eine Entscheidung gefallen ist. Bei KI-Modellen ist das deutlich schwieriger. Sie arbeiten mit Wahrscheinlichkeiten und Mustern, nicht mit festen Regeln. Ein KI-natives Betriebssystem müsste also zeigen, dass es stabil bleibt, wenn Eingaben unklar oder sogar feindlich sind. Genau hier sieht die Cyberagentur den größten Forschungsbedarf.

Dr. Philippe Krajsic, Forschungsreferent für Schlüsseltechnologien bei der Cyberagentur, erwartet nach Angaben der Agentur innovative Forschungsansätze zur Sicherheit KI-nativer Betriebssysteme. Das Programm ist bewusst als Grundlagenforschung angelegt. Es geht nicht darum, schon morgen ein fertiges Produkt zu liefern, sondern darum, zu klären, ob solche Systeme überhaupt technisch sinnvoll realisierbar sind und ob sie gegenüber heutigen Architekturen Vorteile bei Sicherheit, Effizienz und Stabilität bieten.

Warum der Zeitpunkt jetzt kommt

Künstliche Intelligenz übernimmt schon heute eigenständig Aufgaben in digitalen Systemen. Große Technologieunternehmen bauen KI tief in Betriebssysteme und Hardware ein, etwa als Assistenten, die E-Mails sortieren, Termine vorschlagen oder Einstellungen ändern. Bisher bleibt die KI dabei aber ein Gast auf einem System, das nach klassischen Regeln funktioniert. AI-as-OS geht einen Schritt weiter und fragt, was passiert, wenn die KI selbst zum Gastgeber wird.

Diese Entwicklung berührt auch die digitale Souveränität. Die Cyberagentur wurde 2020 vom Bund gegründet und wird gemeinsam vom Bundesministerium der Verteidigung und vom Bundesministerium des Innern geführt. Ihr Auftrag ist es, technologische Kompetenzen für die Sicherheit Deutschlands und Europas aufzubauen. Die Ergebnisse des Programms sollen langfristig neue Ansätze für die Absicherung digitaler Infrastrukturen ermöglichen. Wer die Architektur künftiger Systeme versteht, kann sie auch besser prüfen und schützen.

Gleichzeitig ist Vorsicht angebracht. Ein Betriebssystem ist die vertrauenswürdigste Schicht eines Rechners. Wenn dort eine KI Entscheidungen trifft, müssen diese Entscheidungen überprüfbar sein. Ein Fehler auf dieser Ebene betrifft nicht nur eine einzelne App, sondern das ganze System. Die Forschung muss deshalb klären, wie man ein KI-natives System testet, wie man sein Verhalten begrenzt und wie man es im Ernstfall wieder unter Kontrolle bekommt.

Was das für Nutzer und Unternehmen bedeutet

Für den Alltag der meisten Nutzer ändert sich kurzfristig nichts. AI-as-OS ist ein Forschungsprogramm, kein Produktstart. Doch die Fragen, die es stellt, werden in den kommenden Jahren praktisch relevant. Wenn Betriebssysteme immer mehr Aufgaben selbstständig erledigen, brauchen Nutzer klare Antworten: Welche Daten sieht die KI? Kann sie eigenständig Programme installieren oder Einstellungen ändern? Und wer haftet, wenn sie einen Fehler macht?

Für Unternehmen und Behörden ist die Ausschreibung ein Signal. Die Sicherheit künftiger Systeme wird nicht erst dann geprüft, wenn sie auf dem Markt sind, sondern schon in der Forschung mitgedacht. Das passt zu einer breiteren Debatte in Deutschland und Europa, in der unabhängige Prüfstrukturen für leistungsfähige KI gefordert werden. Auch dort lautet die Botschaft: Prüfen, bevor es ernst wird.

Interessant ist auch die Größenordnung. Mit 6,5 Millionen Euro ist das Programm kein Riesenprojekt, aber es ist gezielt auf eine Frage zugeschnitten, die bisher kaum systematisch erforscht wird. Für Forschungsteams an Hochschulen und in Unternehmen ist die Ausschreibung damit eine Gelegenheit, ein Feld zu besetzen, das in einigen Jahren zentral sein könnte.

Die nächsten Schritte

Bis zum 10. Dezember 2026 können Teilnahmeanträge elektronisch über die Vergabeplattform des Bundes eingereicht werden. Weitere Informationen stellt die Cyberagentur auf ihrer Programmseite bereit. Danach beginnt die eigentliche Arbeit: Entwürfe für KI-native Architekturen, Experimente zur Stabilität und Konzepte für die Kontrolle solcher Systeme.

Ob KI jemals wirklich das Betriebssystem selbst wird, ist offen. Vielleicht bleibt sie ein mächtiger Assistent auf klassischer Basis. Vielleicht entsteht aber auch eine neue Systemgeneration, in der die Grenze zwischen Anwendung und Betriebssystem verschwimmt. In beiden Fällen ist es sinnvoll, die Sicherheitsfragen jetzt zu stellen, solange die Architekturen noch auf dem Reißbrett liegen. Die Ausschreibung der Cyberagentur ist ein Schritt in genau diese Richtung.

Frequently Asked Questions

Was ist das Programm AI-as-OS der Cyberagentur?

AI-as-OS steht für „Artificial Intelligence as Operating System". Das Forschungsprogramm der Cyberagentur untersucht, ob Künstliche Intelligenz selbst die zentralen Steuerungsfunktionen eines Betriebssystems übernehmen kann und welche Sicherheitsarchitektur dafür nötig wäre.

Wie viel Geld steht für das Programm bereit?

Für das Forschungsprogramm stehen 6,5 Millionen Euro ohne Umsatzsteuer als geschätztes Auftragsvolumen zur Verfügung. Es handelt sich um Grundlagenforschung, nicht um die Entwicklung eines fertigen Produkts.

Bis wann können Anträge eingereicht werden?

Teilnahmeanträge können bis zum 10. Dezember 2026 um 12 Uhr elektronisch über die Vergabeplattform des Bundes eingereicht werden. Weitere Informationen gibt es auf der Programmseite der Cyberagentur.

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