Q.ant gewinnt The Spark: Photonische Chips aus Stuttgart sollen Rechenzentren sparsamer machen
Ein Start-up aus Stuttgart hat einen der bekanntesten deutschen Technologiepreise gewonnen und damit eine Technologie ins Rampenlicht gerückt, die lange als Zukunftsmusik galt. Q.ant sicherte sich am Donnerstagabend, dem 5. November 2026, den ersten Platz beim Technologiepreis The Spark in München. Das Unternehmen entwickelt Chips, die mit Licht statt nur mit elektrischem Strom rechnen, und will damit Rechenzentren deutlich sparsamer machen.
Die Auszeichnung wird vom Handelsblatt und der Unternehmensberatung McKinsey vergeben und zeichnet junge Unternehmen aus, deren Ideen Märkte nachhaltig verändern können. In diesem Jahr wurde der Preis zum elften Mal verliehen. Q.ant-Gründer Michael Förtsch nahm die Auszeichnung am Abend in München entgegen.
Was Q.ant baut
Herkömmliche Computerchips verarbeiten Informationen mit elektrischem Strom. Photonische Chips dagegen nutzen Licht, um Daten zu übertragen und zu verarbeiten. Der Ansatz ist nicht neu, doch erst in den vergangenen Jahren ist die Technik so weit gereift, dass sie in ersten kommerziellen Produkten steckt. Q.ant hat nach eigenen Angaben den ersten kommerziell verfügbaren photonischen Chip entwickelt.
Der Reiz liegt im Energieverbrauch. Rechenzentren, in denen KI-Modelle trainiert und betrieben werden, verbrauchen enorme Mengen Strom, und ein großer Teil davon geht als Abwärme verloren. Lichtbasierte Bauteile erzeugen weniger Wärme und können mehrere Rechenoperationen gleichzeitig ausführen. Q.ant gibt an, dass seine Prozessoren die Kapazität von Rechenzentren um bis zu das Hundertfache steigern können, ohne dass aufwendige Kühlung nötig ist. Konkrete, unabhängig geprüfte Leistungszahlen dazu hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht, deshalb sollte diese Angabe als Ziel des Herstellers gelesen werden und nicht als gemessener Wert.
Warum der Preis gerade jetzt wichtig ist
Die Auszeichnung fällt in eine Zeit, in der Deutschland und Europa intensiv über ihre digitale Unabhängigkeit diskutieren. Erst wenige Tage zuvor, beim Digital-Gipfel der Bundesregierung in Berlin, standen KI-Infrastruktur und Rechenleistung im Mittelpunkt. Die Bundesregierung will die KI-Rechenkapazität in Deutschland bis 2030 vervierfachen, und die Telekom kündigte an, mit dem Dresdner Start-up Sparxity energiesparende KI-Chips in ihren Rechenzentren zu testen.
In dieser Debatte spielt Q.ant eine eigene Rolle. Während die meisten KI-Chips der Welt von wenigen Herstellern kommen, allen voran Nvidia aus den USA, arbeitet Q.ant an einer Technik, die aus Deutschland stammt und hier weiterentwickelt wird. Das Handelsblatt stellte die Stuttgarter in seiner Berichterstattung in direkten Vergleich mit Nvidia. Ob photonische Chips dem Marktführer tatsächlich Konkurrenz machen können, ist offen und hängt davon ab, ob die Technik in großem Maßstab zuverlässig produziert werden kann.
Wer noch im Finale stand
Q.ant setzte sich gegen neun weitere Finalisten durch. Den zweiten Platz belegte Proxima Fusion aus München. Das Unternehmen arbeitet an Europas erstem Fusionskraftwerk und will mit der Kernfusion eine nahezu unbegrenzte Energiequelle erschließen. Auch dieser Ansatz steckt noch in einer frühen Phase, gilt aber als eines der ambitioniertesten Energieprojekte Europas.
Zu den weiteren Nominierten gehörten unter anderem die Berliner Start-ups Apheris, deepset und Qdrant sowie Focused Energy aus Darmstadt, Lidrotec aus Bochum und die Schweizer Gründungen Jua, terralayr und Sphere Energy. Die Bandbreite reichte von Wetter-KI über Energiespeicher bis zu Quantentechnik. Dass ein Chip-Hersteller den ersten Platz holte, zeigt, wie stark die Jury die Hardware-Seite der KI-Revolution gewichtet.
Was Q.ant bisher erreicht hat
Q.ant ist kein Neuling. Das Unternehmen aus Stuttgart arbeitet seit Jahren an photonischer Rechentechnik und hat seine Chips bereits mit Partnern aus der Industrie getestet. Eine Partnerschaft mit dem Hosting-Anbieter IONOS bringt die Technik in deutsche Rechenzentren, und ein erstes Software-Entwicklungskit soll es Entwicklern erleichtern, Anwendungen für die neuen Chips zu schreiben.
Der Weg von einem funktionierenden Prototyp zu einem Chip, der in tausenden Servern läuft, ist trotzdem lang. Herstellung, Preise und die Frage, welche Software auf den Chips läuft, entscheiden darüber, ob die Technik im Markt ankommt. Genau hier liegt auch die Kritik, die bei solchen Preisen immer mitschwingt. Eine Auszeichnung ist kein Garant für kommerziellen Erfolg. Sie zeigt aber, dass Fachleute der Technik eine echte Chance geben.
Was das für Deutschland bedeutet
Für den Standort Deutschland ist der Preis ein kleines, aber sichtbares Zeichen. Die deutsche Chipindustrie war lange vor allem für Autos und Maschinen bekannt, nicht für KI-Hardware. Mit Q.ant, Sparxity und anderen jungen Firmen entsteht eine Szene, die genau diese Lücke schließen will. Wenn es gelingt, photonische Chips in Deutschland zu fertigen und einzusetzen, wäre das ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit von amerikanischen und asiatischen Herstellern.
Für Leserinnen und Leser in Deutschland ändert sich kurzfristig nichts. Niemand wird morgen einen photonischen Chip im eigenen Laptop finden. Langfristig aber könnte die Technik dazu beitragen, dass KI-Dienste weniger Strom verbrauchen und Rechenzentren in Deutschland günstiger und klimafreundlicher betrieben werden können. Das ist ein Versprechen, das Q.ant nun einlösen muss, und der Preis in München hat die Erwartungen daran noch einmal erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist The Spark?
The Spark ist ein deutscher Technologiepreis, der vom Handelsblatt und McKinsey vergeben wird. Er zeichnet Start-ups aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus, deren Ideen das Potenzial haben, Märkte grundlegend und nachhaltig zu verändern. Die Verleihung 2026 fand am 5. November in München statt und war die elfte Ausgabe des Preises.
Was sind photonische Chips?
Photonische Chips nutzen Licht statt elektrischem Strom, um Daten zu übertragen und zu verarbeiten. Sie erzeugen dabei weniger Wärme und können mehrere Rechenvorgänge parallel ausführen. Q.ant aus Stuttgart hat nach eigenen Angaben den ersten kommerziell verfügbaren photonischen Chip entwickelt.
Wer hat bei The Spark 2026 noch gewonnen?
Den zweiten Platz belegte Proxima Fusion aus München, das an einem Fusionskraftwerk arbeitet. Zu den weiteren Finalisten gehörten unter anderem Apheris, deepset und Qdrant aus Berlin, Focused Energy aus Darmstadt, Lidrotec aus Bochum sowie Jua, terralayr und Sphere Energy aus der Schweiz.



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