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Deutschland und Großbritannien weiten Militärkooperation auf KI aus: Cyber-Lighthouse bekommt KI-Zweig

Deutschland und Großbritannien weiten Militärkooperation auf KI aus: Cyber-Lighthouse bekommt KI-Zweig

Deutschland und Großbritannien weiten Militärkooperation auf KI aus: Cyber-Lighthouse bekommt KI-Zweig

Berlin und London wollen ihre militärische Zusammenarbeit um einen neuen Bereich erweitern: künstliche Intelligenz. Das kündigte der britische Verteidigungsminister Wes Streeting vor seinem Treffen mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius in Berlin an. In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb Streeting, beide Länder wollten bei der Erprobung, Entwicklung und Einführung von KI in ihren Streitkräften enger zusammenarbeiten.

Was genau angekündigt wurde

Im Mittelpunkt steht das sogenannte Cyber-Lighthouse-Projekt, ein zentraler Bestandteil des Trinity-House-Abkommens zwischen Deutschland und Großbritannien. Dieses Projekt soll nun um den Bereich künstliche Intelligenz erweitert werden. Streeting schrieb, bei seinem Treffen mit Pistorius am Montagnachmittag in Berlin solle genau das bestätigt werden. Laut Berichten war das Treffen für 15.00 Uhr angesetzt.

Die Formulierung ist bewusst breit gehalten: Es geht um gemeinsame Erprobung, Entwicklung und letztlich Einführung von KI in den Streitkräften beider Länder. Konkrete Systeme, Budgets oder Zeitpläne für einzelne Projekte wurden in dem Gastbeitrag zunächst nicht genannt. Stattdessen kündigte Streeting einen deutsch-britischen Runden Tisch aus Regierung und Industrie für das Frühjahr 2027 an. Dort sollen militärische, technologische und industrielle Fachleute zusammenkommen, um die Umsetzung zu gestalten.

Für Leser, die Verteidigungspolitik verfolgen, ist das ein typischer Ablauf: Erst kommt die politische Absichtserklärung, dann folgt die Arbeit an Details. Die eigentliche Frage lautet, welche Projekte aus dieser Zusammenarbeit entstehen und wie schnell sie bei den Truppen ankommen.

Das Trinity-House-Abkommen als Grundlage

Das Trinity-House-Abkommen wurde vor zwei Jahren unterzeichnet und bildet den Rahmen für die engere Verteidigungszusammenarbeit beider Länder. Ein Jahr nach der Unterzeichnung kamen verstärkte Anstrengungen in der Cyberabwehr hinzu. Nun folgt mit KI der nächste Baustein.

Diese Schrittfolge zeigt, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt: Sie begann mit einer allgemeinen Vereinbarung, wurde um Cyberabwehr ergänzt und wird jetzt auf KI ausgeweitet. Berichten zufolge sieht Streeting darin auch eine Antwort auf Bedrohungen von außen. Er warnte in seinem Beitrag vor Sabotage und russischen Angriffen und argumentierte, beide Länder müssten mit denen Schritt halten, die ihnen schaden wollten.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz sieht nach Berichten bereits ein Wettrüsten im militärischen KI-Bereich im Gange. Diese Einschätzung macht deutlich, warum die Ankündigung über eine reine Industriekooperation hinausgeht. Es geht auch um die Frage, nach welchen Regeln KI im Militär eingesetzt wird. Dazu äußerte sich Streeting in dem Gastbeitrag zunächst nicht im Detail.

Was die Industrie bereits investiert

Neben der politischen Ankündigung nannte Streeting auch Zahlen aus der Industrie. Seit der Unterzeichnung des Trinity-House-Abkommens hätten deutsche Unternehmen demnach Investitionen in Höhe von 800 Millionen Pfund in die britische Verteidigungsindustrie zugesagt. Das ist eine beachtliche Summe, auch wenn es sich um Zusagen handelt und nicht um bereits geflossenes Geld.

Zwei Beispiele hob er besonders hervor. Das Unternehmen Helsing habe den Bau einer neuen Drohnenfabrik in Plymouth angekündigt, unterstützt durch Investitionen von 350 Millionen Pfund in KI-gestützte Mini-U-Boote. ARX Robotics investiere 45 Millionen Pfund in die Entwicklung von Drohnen. Beide Beispiele zeigen, wohin die Reise geht: unbemannte Systeme, die mit KI-Unterstützung arbeiten und in größerer Zahl produziert werden sollen.

Ein weiteres Programm, das Streeting erwähnte, ist Deep Precision Strike. Es soll noch innerhalb dieses Jahrzehnts über eine Reichweite von mehr als 2.000 Kilometern verfügen. Auch hier blieben Details zunächst offen. Klar ist aber, dass Langstreckenpräzision und KI-gestützte Aufklärung in der aktuellen Debatte eng miteinander verbunden sind.

Was das für Deutschland bedeuten könnte

Für Deutschland ist die Ankündigung aus mehreren Gründen interessant. Erstens vertieft sie die Zusammenarbeit mit einem der wichtigsten europäischen Verteidigungspartner außerhalb der EU. Zweitens verknüpft sie Cyberabwehr und KI, zwei Bereiche, die in der Praxis ohnehin zusammenwachsen. Wer Netze verteidigt, braucht KI zur Erkennung von Angriffen. Wer KI-Systeme einsetzt, muss ihre Netze schützen.

Drittens geht es um Industriepolitik. Wenn deutsche Firmen in Großbritannien investieren und britische Firmen mit deutschen Partnern arbeiten, entstehen gemeinsame Lieferketten. Das kann die Versorgung der Bundeswehr erleichtern, wirft aber auch Fragen nach Kontrolle und Abhängigkeit auf. Wer besitzt am Ende die Technik, wer wartet sie, und wer entscheidet über ihren Einsatz? Auf diese Fragen wird der Runde Tisch 2027 Antworten finden müssen.

Was noch offen ist

Wie bei vielen Verteidigungsankündigungen bleiben wichtige Fragen zunächst unbeantwortet. Welche KI-Anwendungen stehen im Vordergrund: Aufklärung, Logistik, Ausbildung oder Waffensysteme? Welche Daten sollen geteilt werden, und unter welchen Sicherheitsregeln? Wie wird sichergestellt, dass Menschen über den Einsatz von Waffengewalt entscheiden?

Auch die Finanzierung ist offen. Die genannten Investitionssummen stammen aus der Industrie, nicht aus den Verteidigungshaushalten. Ob und in welchem Umfang beide Staaten selbst Geld in gemeinsame KI-Projekte stecken, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Ebenso offen ist, ob es gemeinsame Beschaffungen geben wird oder ob jedes Land eigene Systeme entwickelt, die lediglich miteinander sprechen können.

Einordnung: Warum KI im Militär so umstritten ist

KI im Militär ist ein sensibles Thema, und das aus gutem Grund. Befürworter argumentieren, KI könne Soldaten entlasten, Aufklärung beschleunigen und Fehler verringern, etwa indem sie große Mengen an Sensordaten schneller auswertet, als es Menschen könnten. Kritiker warnen vor Fehlentscheidungen, vor Angriffen auf die KI selbst und vor einer schleichenden Automatisierung von Entscheidungen über Leben und Tod.

Beide Sichtweisen haben einen wahren Kern. Genau deshalb ist die politische Gestaltung so wichtig. Eine Kooperation wie die zwischen Berlin und London kann Standards setzen, etwa für Tests, für menschliche Kontrolle und für den Umgang mit Daten. Sie kann aber auch ein Wettrüsten beschleunigen, wenn sie vor allem auf Tempo und Stückzahlen setzt.

Was jetzt zu beobachten ist

In den kommenden Monaten gibt es drei Dinge zu beobachten. Erstens: Gibt es nach dem Treffen in Berlin offizielle Erklärungen beider Ministerien mit konkreten Projekten? Zweitens: Wer sitzt am Runden Tisch im Frühjahr 2027, und welche Themen stehen auf der Tagesordnung? Drittens: Fließen die angekündigten Industrieinvestitionen tatsächlich, etwa beim Bau der Drohnenfabrik in Plymouth?

Frequently Asked Questions

Was ist das Cyber-Lighthouse-Projekt?

Das Cyber-Lighthouse-Projekt ist ein zentraler Bestandteil des Trinity-House-Abkommens zwischen Deutschland und Großbritannien. Es steht für die Zusammenarbeit im Cyberbereich und soll nun um künstliche Intelligenz erweitert werden, wie der britische Verteidigungsminister Wes Streeting in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung ankündigte.

Wann soll der deutsch-britische Runde Tisch zu militärischer KI stattfinden?

Laut Streeting ist für das Frühjahr 2027 ein deutsch-britischer Runder Tisch aus Regierung und Industrie geplant. Dort sollen militärische, technologische und industrielle Fachleute zusammenkommen, um die Umsetzung der erweiterten Zusammenarbeit zu gestalten.

Welche Investitionen deutscher Firmen nannte Streeting?

Streeting nannte Zusagen deutscher Unternehmen in Höhe von 800 Millionen Pfund für die britische Verteidigungsindustrie seit der Unterzeichnung des Trinity-House-Abkommens. Als Beispiele führte er Helsing mit einer Drohnenfabrik in Plymouth und 350 Millionen Pfund für KI-gestützte Mini-U-Boote sowie ARX Robotics mit 45 Millionen Pfund für die Drohnenentwicklung an.

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