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PwC-Studie 2027: Drei von zehn deutschen Unternehmen lassen KI-Agenten in der Cyberabwehr eigenständig handeln

PwC-Studie 2027: Drei von zehn deutschen Unternehmen lassen KI-Agenten in der Cyberabwehr eigenständig handeln

PwC-Studie 2027: Drei von zehn deutschen Unternehmen lassen KI-Agenten in der Cyberabwehr eigenständig handeln

In deutschen Security Operations Centern arbeitet die Künstliche Intelligenz längst mit. Neu ist, wie viel Eigenständigkeit ihr die Unternehmen zutrauen. Laut der PwC-Studie “Digital Trust Insights 2027”, die am 21. Oktober 2026 veröffentlicht wurde, würden 29 Prozent der deutschen Firmen autonome KI-Agenten in der Cyberabwehr vollständig selbstständig handeln lassen. Das ist ein Vertrauensvorschuss mit Tragweite: Eine autonome Abwehrmaßnahme bedeutet in letzter Konsequenz, dass eine Maschine Systeme isoliert, Konten sperrt oder Konfigurationen verändert, ohne dass ein Mensch noch einmal draufschaut.

Die Studie ist solide fundiert. PwC befragte zwischen Mai und Juli 2026 insgesamt 3.934 Führungskräfte in 71 Ländern, darunter 277 Teilnehmer aus Deutschland. Der Befund trifft auf eine angespannte Lage: Cyberkriminelle nutzen laut dem Microsoft Digital Defense Report 2026 selbst KI, um schneller anzugreifen und Identitäten zu fälschen. Die Abwehr automatisiert, weil sie sonst nicht mehr mithalten kann.

Ein Vertrauensvorschuss mit klaren Grenzen

Das Bild ist differenzierter, als es die 29 Prozent auf den ersten Blick vermuten lassen. Weitere 42 Prozent der deutschen Unternehmen würden KI-Agenten zumindest risikoarme Aktionen ohne menschliche Freigabe erlauben. Nur 2 Prozent lehnen die Autorisierung autonomer Agenten in jedem Bereich vollständig ab, im weltweiten Durchschnitt sind es 4 Prozent. Bei Entscheidungen mit mittleren oder hohen Auswirkungen soll dagegen weiter der Mensch entscheiden.

Bei Entscheidungen mit mittleren oder hohen Auswirkungen soll dagegen weiter der Mensch entscheiden. Vor einem Jahr setzten 54 Prozent der deutschen Unternehmen KI-Werkzeuge in der Cyberabwehr ein, vor allem als Antwort auf den Fachkräftemangel. Heute lautet die Frage nicht mehr, ob KI hilft, sondern wie viel Autonomie sie bekommt. Moritz Anders, Partner und Leiter Cyber Security bei PwC Deutschland, sieht darin eine Governance-Lücke: Agenten gewännen schneller an Autonomie, als die Governance mitwachse. Wer sie eigenständig handeln lasse, müsse klären, wer verantwortlich ist, wo menschliche Kontrolle nötig bleibt und wie sich jede Aktion nachvollziehen lässt.

Womit die Agenten zuerst loslegen dürfen

Die größte Zustimmung gibt es für klar abgegrenzte, wiederkehrende Aufgaben. 51 Prozent der Befragten würden Agenten die Entfernung von Malware und die Wiederherstellung von Systemen überlassen, 49 Prozent das Erkennen und Löschen von Phishing-Mails. Je 46 Prozent nannten das Erstellen und Eskalieren von Incident-Tickets sowie das Schließen von Sicherheitslücken und Konfigurationsänderungen. Das Isolieren betroffener Endgeräte käme für 45 Prozent infrage, das Sperren von Nutzerkonten und der Entzug von Zugriffsrechten für 39 Prozent.

Zögerlicher als der weltweite Durchschnitt zeigen sich deutsche Unternehmen dort, wo eine Fehlentscheidung besonders wehtut. Bei der Verknüpfung von Bedrohungsdaten vertrauen nur 39 Prozent den Agenten, weltweit sind es 49 Prozent. Beim Blockieren und Segmentieren von Netzwerkverkehr liegen deutsche Firmen mit 34 Prozent unter dem globalen Wert von 39 Prozent.

Mehr Geld, aber weniger Governance

Finanziell rüsten die Unternehmen weiter auf. 47 Prozent der Führungskräfte in Deutschland rechnen bis 2027 mit einem Budgetplus von 6 bis 10 Prozent, im Vorjahr waren es noch 36 Prozent. Ganz oben auf der Prioritätenliste stehen KI mit 57 Prozent und Cloud Security mit 54 Prozent, gefolgt von Cyber Managed Services mit 40 Prozent und Connected Products mit 31 Prozent.

Bei den KI-bezogenen Investitionen rückt die Governance dagegen in den Hintergrund. Verantwortungsvolle KI-Governance und Compliance nennen nur 30 Prozent der deutschen Befragten als Schwerpunkt, weltweit sind es 42 Prozent. Die Absicherung von KI-Modellen priorisieren 27 Prozent, Schutzmaßnahmen für Sprachmodelle und generative KI 25 Prozent. Mehr Gewicht als im weltweiten Schnitt legen deutsche Firmen auf den Schutz von Trainingsdaten mit 35 Prozent und auf die laufende Kontrolle von Risiken und Compliance mit 26 Prozent. Die Erkennung nicht freigegebener KI-Werkzeuge, die sogenannte Schatten-KI, priorisieren 40 Prozent.

Lieferketten und digitale Souveränität

Die Studie zeigt zudem, wie sehr geopolitische Risiken die Sicherheitsplanung prägen. Im Vorjahr befürchteten 51 Prozent der Befragten Angriffe auf Lieferketten. Inzwischen werden konkrete Maßnahmen geplant: 47 Prozent wollen die Sicherheit ihrer Softwareentwicklungs- und Delivery-Pipelines stärken, ebenso viele wollen Lieferanten diversifizieren und Notfallpläne für Ausfälle aufbauen. 45 Prozent wollen mehr Sichtbarkeit und besseres Risikomanagement bei Softwareabhängigkeiten, weitere 45 Prozent planen ein fortlaufendes Monitoring von Cyberrisiken bei Lieferanten.

Bei der digitalen Souveränität reagieren deutsche Unternehmen stärker als der globale Durchschnitt. 61 Prozent setzen auf Multi- oder Hybrid-Cloud, um Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden, weltweit sind es 54 Prozent. 50 Prozent bauen regionale Daten- und Technologie-Redundanzen auf, 46 Prozent verlagern Workloads zu souveränen oder regionsspezifischen Cloud-Anbietern. Nur 1 Prozent der deutschen Befragten passt den eigenen Tech-Stack überhaupt nicht an die geopolitische Lage an.

Die Lücken, über die niemand gern spricht

Bei aller Aufbruchstimmung bleiben empfindliche Lücken. Nur 29 Prozent der deutschen Unternehmen verfügen über vollständig formalisierte und integrierte Pläne zur Aufrechterhaltung des Betriebs, die Cyberbedrohungen einschließen. Im weltweiten Durchschnitt sind es 39 Prozent. Bei weiteren 44 Prozent sind solche Pläne in Entwicklung, zusammen kommen sie auf 73 Prozent.

Auch in der Betriebstechnik hapert es. 42 Prozent nennen Lücken bei OT-Fachkräften und Ressourcen, 40 Prozent verweisen auf alte Systeme, die sich schlicht nicht patchen lassen. 38 Prozent sehen die Absicherung KI-fähiger Zugänge zu OT- und IIoT-Geräten als Herausforderung, 37 Prozent beklagen unzureichende Finanzierung oder Management-Unterstützung. Eine Erhebung von TÜV-Verband und BSI ergab zudem: Nur 11 Prozent der Betriebe, die KI nutzen oder deren Einsatz planen, haben spezielle Prozesse für KI-Sicherheitsvorfälle. Die Agenten werden schneller autonom, als die Organisationen reif genug sind, sie zu steuern.

Frequently Asked Questions

Was bedeutet es, wenn KI-Agenten in der Cyberabwehr “eigenständig” handeln?

Eigenständig bedeutet, dass ein Agent Sicherheitsmaßnahmen ohne menschliche Freigabe auslöst. Konkret kann das heißen: Eine als bösartig erkannte Datei wird gelöscht, ein verdächtiges Nutzerkonto gesperrt oder ein infiziertes Endgerät vom Netzwerk getrennt. Laut PwC würden 29 Prozent der deutschen Firmen Agenten solche Entscheidungen vollständig selbstständig treffen lassen, weitere 42 Prozent zumindest bei risikoarmen Aktionen. Bei Aktionen mit mittleren oder hohen Auswirkungen soll laut Studie weiter der Mensch entscheiden.

Welche Cyberaufgaben vertrauen deutsche Unternehmen KI-Agenten am ehesten an?

Die größte Zustimmung gibt es für klar abgegrenzte, wiederkehrende Aufgaben. An der Spitze stehen die Entfernung von Malware und die Wiederherstellung von Systemen mit 51 Prozent sowie das Erkennen und Löschen von Phishing-Mails mit 49 Prozent. Es folgen Incident-Tickets, das Schließen von Sicherheitslücken und Konfigurationsänderungen mit je 46 Prozent. Bei Netzwerkverkehr-Blockaden und Threat Intelligence sind deutsche Firmen zurückhaltender, weil eine Fehlentscheidung dort besonders teuer werden kann.

Wo hinkt Deutschland bei der KI-Governance hinterher?

Verantwortungsvolle KI-Governance und Compliance priorisieren in Deutschland nur 30 Prozent der Befragten, weltweit sind es 42 Prozent. Auch bei der Absicherung von KI-Modellen und Schutzmaßnahmen für Sprachmodelle liegen deutsche Firmen unter dem globalen Durchschnitt, während die Bereitschaft zu autonomen Agenten steigt. PwC warnt deshalb vor einer Governance-Lücke: Wer Agenten eigenständig handeln lässt, muss festlegen, wer verantwortlich ist und wo menschliche Kontrolle nötig bleibt.

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