RoboWIZ auf der GTC Berlin: Wie NEXCOM Roboter mit KI-Steuerung, Sensorik und Sicherheitsfunktionen bauen will
Roboter, die sehen, greifen und sich in einer Fabrikhalle sicher bewegen, brauchen mehr als einen starken Motor. Sie brauchen ein Gehirn, Augen, ein Nervensystem und eine eingebaute Notbremse, die im richtigen Moment greift. Genau an dieser Stelle setzt die Plattform RoboWIZ an, die NEXCOM gemeinsam mit seiner Robotiktochter NexCOBOT am 21. und 22. Oktober 2026 auf der NVIDIA GTC in Berlin vorgestellt hat. Das System soll Entwicklern helfen, aus einzelnen Bauteilen schneller einen funktionsfähigen Roboter zu bauen, statt jede Komponente mühsam selbst zusammenzuführen.
Was RoboWIZ ist und was es verbindet
RoboWIZ ist kein fertiger Roboter, sondern ein offenes Entwicklungsökosystem. NEXCOM beschreibt es als Baukasten, der fünf Bereiche der Roboterentwicklung in einer Plattform vereint: die KI-Kernsteuerung, funktionale Sicherheit und Cybersicherheit, die visuelle Wahrnehmung, die Echtzeitsteuerung sowie die Aktorik und die Robotersysteme selbst. In der Praxis heißt das: Wer einen Roboter bauen will, bekommt Steuerung, Kameras und Sensoren, Antriebe und Greifer sowie die passende Software aus einem abgestimmten System, statt sich jedes Teil bei einem anderen Anbieter zu suchen.
Die KI-Steuerungsebene unterstützt Rechenplattformen von NVIDIA, Intel und Qualcomm. Damit bleibt die Wahl der Hardware offen, was für viele Unternehmen ein wichtiges Argument ist. Niemand will sich beim Bau eines Roboters auf einen einzigen Chiphersteller festlegen, nur weil die Software es so verlangt. Gleichzeitig gehören Robotergelenke, Antriebe, Greifer und Roboterhände mit feinmotorischen Fähigkeiten zum Ökosystem, dazu Kameras, Sensoren, Kommunikationsmodule und Robotiksoftware.
Warum die Plattform gerade jetzt kommt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Auf der GTC in Berlin stand 2026 die sogenannte Physical AI im Mittelpunkt, also KI, die nicht nur Texte schreibt oder Bilder erzeugt, sondern in der echten Welt handelt. Roboter in Fabriken, Lagern und Krankenhäusern sind das sichtbarste Beispiel dafür. Doch während die KI-Modelle immer besser werden, bleibt die Hardwareintegration oft der Flaschenhals. Ein Roboter, der ein Werkstück greifen soll, muss in Sekundenbruchteilen entscheiden, wo das Teil liegt, wie fest er zupacken darf und was passiert, wenn ein Mensch plötzlich in seinen Arbeitsbereich tritt.
Genau hier will RoboWIZ ansetzen. Die Plattform verbindet die KI-Rechenleistung mit Echtzeit-Bewegungssteuerung, Antrieben und Aktoren sowie funktionaler Sicherheit. Funktionale Sicherheit bedeutet dabei, dass ein Roboter bei einem Fehler in einen sicheren Zustand übergeht, statt unkontrolliert weiterzuarbeiten. Für den Einsatz in Fabriken, in denen Menschen und Maschinen Seite an Seite arbeiten, ist das eine Grundvoraussetzung und kein Zusatz.
Was auf der GTC in Berlin zu sehen war
In Berlin stellte NEXCOM die Partner des Ökosystems in den Mittelpunkt, darunter RealSense, Stereolabs, Synapticon sowie Reynolds und Moore. Gezeigt wurde zudem eine auf NVIDIA IGX Thor basierende Robotikplattform. IGX Thor ist eine Rechnerplattform, die für anspruchsvolle KI-Aufgaben in Robotern und industriellen Systemen gedacht ist. Die Kombination aus dieser Rechenleistung und den Komponenten der Partner soll zeigen, wie aus dem Baukasten ein lauffähiges System wird.
Neu ist RoboWIZ nicht vollständig. Erstmals vorgestellt wurde die Plattform im August 2026 auf der Automation Taipei in Taiwan. Dort demonstrierte NEXCOM gemeinsam mit Partnern des Ökosystems Anwendungen für humanoide Roboter, vierbeinige Roboter und Zweiarmroboter. Die Messe in Berlin war also der zweite große Auftritt und zugleich der erste in Europa, wo viele der potenziellen Kunden aus Maschinenbau, Automobilindustrie und Logistik sitzen.
Was das für die deutsche Industrie bedeuten könnte
Für deutsche Unternehmen ist die Ankündigung aus mehreren Gründen interessant. Erstens adressiert RoboWIZ genau die Branchen, in denen Deutschland stark ist: Maschinenbau, Fertigung und Logistik. Roboter, die flexibel auf neue Aufgaben umgestellt werden können, sind dort gefragt, weil Losgrößen kleiner werden und Produkte immer häufiger wechseln. Ein Baukasten, der Steuerung, Wahrnehmung und Sicherheit zusammenführt, könnte die Entwicklungszeit für solche Roboter verkürzen.
Zweitens setzt NEXCOM auf Offenheit statt auf ein geschlossenes System. Unternehmen können Komponenten von Partnern nutzen und bleiben bei der Rechenhardware flexibel. Das ist in einer Zeit, in der Lieferketten immer wieder ins Wanken geraten, ein praktischer Vorteil. Drittens zeigt der Auftritt auf der GTC in Berlin, dass der Markt für Physical AI in Europa ernst genommen wird. Berlin war 2026 einer der Orte, an denen sich zeigte, wohin sich die Robotik entwickelt: weg von starren Industrierobotern hinter Zäunen, hin zu Systemen, die sich in gemischten Umgebungen bewegen.
Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Eine Plattformvorstellung ist noch kein fertiges Produkt. Wie gut RoboWIZ in der Praxis funktioniert, hängt davon ab, wie viele Partner tatsächlich mitmachen, wie stabil die Software im Dauerbetrieb läuft und ob die versprochene Offenheit auch bei der Preisgestaltung gilt. NEXCOM hat mit dem Auftritt in Berlin einen Anspruch formuliert. Ob daraus ein Standardbaukasten für Roboterbauer wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten in echten Projekten, nicht auf einer Messebühne.
Was man sich merken sollte
RoboWIZ fasst zusammen, was moderne Roboter brauchen: KI-Rechenleistung, Kameras und Sensoren, präzise Bewegungssteuerung, sichere Antriebe und eine Software, die das alles zusammenhält. Die Plattform will Entwicklern den Weg vom Bauteil zum fertigen Roboter verkürzen. Für die deutsche Industrie könnte das ein nützliches Werkzeug werden, wenn die Partner des Ökosystems liefern und erste Projekte zeigen, dass das System im Alltag hält, was die Messepräsentation verspricht.
Häufig gestellte Fragen
Was ist RoboWIZ genau?
RoboWIZ ist eine offene KI-Robotikplattform von NEXCOM und NexCOBOT. Sie verbindet KI-Steuerung, Wahrnehmung, Echtzeitsteuerung, funktionale Sicherheit und Aktorik in einem Entwicklungsökosystem, aus dem Roboterbauer funktionsfähige Systeme aufbauen können.
Wann und wo wurde RoboWIZ vorgestellt?
Erstmals gezeigt wurde RoboWIZ im August 2026 auf der Automation Taipei in Taiwan. Auf der NVIDIA GTC in Berlin wurde die Plattform am 21. und 22. Oktober 2026 einem internationalen Fachpublikum in Europa präsentiert.
Für welche Roboter ist RoboWIZ gedacht?
Die Plattform richtet sich an verschiedene Robotertypen, darunter humanoide Roboter, vierbeinige Roboter und Zweiarmroboter. Gedacht ist sie für den Einsatz in Industrie, Fertigung und Logistik, wo Roboter flexibel und sicher mit Menschen zusammenarbeiten sollen.
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