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Infineon und NVIDIA erweitern Kooperation: 800 Volt und GaN für die KI-Rechenzentren von morgen

Infineon und NVIDIA erweitern Kooperation: 800 Volt und GaN für die KI-Rechenzentren von morgen

Infineon und NVIDIA erweitern Kooperation: 800 Volt und GaN für die KI-Rechenzentren von morgen

Künstliche Intelligenz braucht nicht nur Rechenleistung, sie braucht Strom. Immer mehr davon. Am 21. Oktober 2026 haben Infineon und NVIDIA auf der Entwicklerkonferenz GTC in Berlin angekündigt, ihre Zusammenarbeit bei der Stromversorgung von KI-Rechenzentren auszuweiten. Im Zentrum stehen Spannungsumrichter auf Basis von Galliumnitrid, die 800 Volt Gleichstrom besonders effizient herunterwandeln. Es ist ein Vorstoß, der zeigt, wo der nächste Engpass der KI-Ära wirklich liegt: nicht im Prozessor, sondern in der Steckdose.

Was wurde auf der GTC Berlin verkündet

Die erweiterte Kooperation konzentriert sich auf sogenannte Intermediate Bus Converter, kurz IBC. Diese Hochvolt-Spannungsumrichter übernehmen eine zentrale Aufgabe in der Stromversorgung von KI-Rechenzentren. Das haben beide Unternehmen am 21. Oktober 2026 mitgeteilt.

Neu ist die Partnerschaft nicht. Sie baut auf gemeinsamen Aktivitäten auf, die im Mai 2025 begonnen und im Oktober 2025 weiter konkretisiert wurden. Schon damals hatten Infineon und NVIDIA Lösungen zum Schutz des Strompfads angekündigt, unter anderem für Sicherheits- und Wartungsanforderungen sowie sogenannte Hot-Swap-Funktionen, mit denen sich Komponenten im laufenden Betrieb austauschen lassen.

„KI verändert die Anforderungen an die Energieinfrastruktur grundlegend. Halbleiter sind der Schlüssel, um diese Herausforderung zu lösen”, erklärte Jochen Hanebeck, CEO von Infineon. Die Zusammenarbeit bei 800-Volt-Architekturen zeige, welches Potenzial entstehe, wenn Halbleiterkompetenz und die Innovationsgeschwindigkeit der künstlichen Intelligenz zusammenkommen. GaN-basierte Systemlösungen seien ein wichtiger Wegbereiter für die nächste Generation von Rechenzentren.

Warum ausgerechnet 800 Volt Gleichstrom

Mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit von KI-Prozessoren steigen auch die Anforderungen an die Energieversorgung. Ein einzelner Serverrack steuert laut Infineon zunehmend in Richtung Megawattbereich. Solche Leistungen lassen sich mit herkömmlichen Wechselstrom- oder Niedervolt-Gleichstromsystemen nur noch mit großen Verlusten verteilen.

Hier kommt die Zwischenkreisarchitektur ins Spiel. Ein Intermediate Bus Converter wandelt die Eingangsspannung von 800 Volt in eine niedrigere Spannung um. Nachgelagerte Wandlungsstufen erzeugen anschließend die präzisen Versorgungsspannungen, die KI-Prozessoren benötigen. Infineons Portfolio unterstützt dabei verschiedene Stufen: 800 Volt auf 50 Volt, 800 Volt auf 12 Volt und bis herunter auf 6 Volt.

Dieser mehrstufige Ansatz soll Energieverluste bei der Stromwandlung reduzieren und gleichzeitig hohe Anforderungen an Platzbedarf, Wärmeentwicklung und Verfügbarkeit erfüllen. Die 800-Volt-Gleichstromarchitekturen sollen bestehende Wechselstrom- und Niedervolt-Gleichstromsysteme künftig ergänzen, nicht ersetzen. Besonders geeignet sind sie laut Unternehmen für Rechensysteme mit hoher Leistungsdichte, also genau dort, wo moderne KI-Beschleuniger arbeiten.

Galliumnitrid: das Material hinter der Effizienz

Bei den Hochvolt-Spannungsumrichtern setzt Infineon auf Galliumnitrid. Das Halbleitermaterial bietet gegenüber herkömmlichem Silizium Vorteile bei Schaltgeschwindigkeit und Energieverlusten. Für die Praxis bedeutet das: GaN-Leistungsbauteile ermöglichen in der IBC-Stufe Schaltfrequenzen von bis zu einem Megahertz.

Höhere Schaltfrequenzen haben einen handfesten Vorteil. Magnetische Bauteile und passive Komponenten können deutlich kleiner dimensioniert werden. Das Ergebnis ist eine höhere Leistungsdichte bei geringerer Bauhöhe der Systeme. Gerade in KI-Rechenzentren, in denen der verfügbare Platz innerhalb der Serverracks zunehmend begrenzt ist, stellt dies einen wichtigen Vorteil dar.

Gleichzeitig tragen die geringeren Leitungs- und Schaltverluste dazu bei, die Wärmeentwicklung zu begrenzen. Weniger Abwärme heißt weniger Kühlaufwand, und Kühlung ist längst einer der größten Kostenfaktoren im Rechenzentrumsbetrieb. Zusammen mit den Produktfamilien PSOC Control C3 und EiceDRIVER bietet Infineon nach eigenen Angaben vollständige Systemlösungen für Intermediate Bus Converter an. Neben Galliumnitrid umfasst das Portfolio auch IBC-Lösungen auf Basis von Silizium und Siliziumkarbid, um unterschiedliche Anforderungen bei Entwicklung und Integration abzudecken.

Die ganze Kette: vom Stromnetz bis zum Chip

Auffällig ist der Anspruch, den Infineon mit der Kooperation verbindet. Das Unternehmen will seine Position als Anbieter von Leistungshalbleitern für KI-Infrastrukturen stärken und deckt dabei nach eigenen Angaben die gesamte Energieversorgungskette ab, von der Stromversorgung aus dem Netz bis zur Spannungsversorgung direkt am Prozessor.

Dass es dabei nicht nur um den Umrichter selbst geht, zeigen die bereits im Oktober 2025 angekündigten Lösungen zum Schutz des Strompfads. Hot-Swap-Funktionen klingen nach einer Kleinigkeit, sind im Betrieb eines Rechenzentrums aber entscheidend. Wenn sich Komponenten im laufenden Betrieb austauschen lassen, steigt die Verfügbarkeit der Anlage. Und Verfügbarkeit ist das, womit Betreiber am Ende Geld verdienen.

Die Technologien sollen dazu beitragen, zukünftige Serverboards für den Betrieb mit 800-Volt-Gleichstromarchitekturen auszulegen. Das ist ein Standardisierungsprozess, der Jahre dauern kann. Dass sich ein Halbleiterhersteller und ein Plattformanbieter wie NVIDIA hier gemeinsam festlegen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich die 800-Volt-Architektur tatsächlich durchsetzt.

Was das für Deutschland und Europa bedeutet

Für Infineon mit Sitz in Neubiberg bei München ist die Kooperation ein wichtiges Signal. Das Unternehmen positioniert sich als europäischer Leistungshalbleiter-Spezialist in einer Wertschöpfungskette, die sonst stark von amerikanischen und asiatischen Firmen dominiert wird. Leistungs- und Stromversorgungskomponenten sind ein Bereich, in dem Europa traditionell stark ist.

Gleichzeitig ordnet sich die Meldung in eine größere Bewegung ein. In derselben Woche kündigte NVIDIA auf der GTC Berlin auch vier neue KI-Hardware-Ankündigungen an und vereinbarte mit der Bundesregierung eine Kooperation zu industrieller KI. Die Energieversorgung der Rechenzentren ist dabei nur ein Baustein. Berichten zufolge sollen 800-Volt-Architekturen künftig ergänzend zu bestehenden Systemen eingesetzt werden, was den Umstieg für Betreiber schrittweise möglich macht.

Ob die Versprechen bei Effizienz und Leistungsdichte in der Praxis voll erfüllt werden, muss sich in realen Installationen zeigen. Die Richtung ist jedoch klar: KI-Rechenzentren werden größer, stromhungriger und dichter gepackt. Wer die Stromversorgung dieser Anlagen kontrolliert, sitzt an einem der wichtigsten Flaschenhälse der KI-Industrie.

Frequently Asked Questions

Was ist ein Intermediate Bus Converter?

Ein Intermediate Bus Converter, kurz IBC, ist ein Hochvolt-Spannungsumrichter, der in Rechenzentren die Eingangsspannung von 800 Volt Gleichstrom in eine niedrigere Spannung wandelt. Nachgelagerte Stufen erzeugen daraus die genauen Spannungen, die KI-Prozessoren benötigen. Durch diesen mehrstufigen Aufbau lassen sich Energieverluste reduzieren und die Wärmeentwicklung begrenzen.

Warum setzt Infineon auf Galliumnitrid statt Silizium?

Galliumnitrid ermöglicht höhere Schaltfrequenzen von bis zu einem Megahertz bei gleichzeitig geringeren Leitungs- und Schaltverlusten. Dadurch fallen magnetische Bauteile und passive Komponenten kleiner aus, was die Leistungsdichte erhöht und die Bauhöhe der Systeme verringert. In dicht gepackten Serverracks für KI ist das ein spürbarer Vorteil.

Wann kommen 800-Volt-Rechenzentren in den Alltag?

Ein konkretes Datum nennen die Unternehmen nicht. Die 800-Volt-Gleichstromarchitekturen sollen zunächst ergänzend zu bestehenden Wechselstrom- und Niedervolt-Gleichstromsystemen eingesetzt werden. Die Technologie zielt auf zukünftige Serverboards ab, die für den Betrieb mit 800 Volt ausgelegt werden. Da einzelne Serverracks bereits in Richtung Megawattbereich wachsen, dürfte der Bedarf an effizienterer Stromversorgung in den kommenden Jahren weiter steigen.

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