Ericsson ISAC: Wie das Mobilfunknetz in Deutschland künftig Drohnen erkennen soll
Am 2. November 2026 hat Ericsson in Düsseldorf ein System vorgestellt, das dem Mobilfunknetz eine neue Aufgabe gibt. Das Ericsson ISAC System, kurz für Integrated Sensing and Communication, soll bewegliche Objekte wie Drohnen erkennen und verfolgen, und zwar über große Flächen und auch dann, wenn die Objekte selbst nicht mit dem Netz verbunden sind. Die Ankündigung kommt zu einer Zeit, in der kleine, billige Drohnen immer häufiger für illegale Überwachung, organisierte Kriminalität oder Sabotage eingesetzt werden, wie Ericsson in seiner Mitteilung schreibt.
Was ISAC eigentlich macht
ISAC erweitert ein bestehendes Mobilfunknetz um Sensorfunktionen. Statt nur Daten zu übertragen, sollen 5G Anlagen mit Sensorfähigkeiten, Edge Computing, künstliche Intelligenz und Signalverarbeitung zusammenarbeiten, um Objekte zu erkennen und über das gesamte Abdeckungsgebiet zu verfolgen. Das Besondere daran ist der Ansatz: Das Netz nutzt seine eigenen Funksignale als eine Art Radar. Reflektierte Signale verraten, wo sich ein Objekt befindet und wohin es sich bewegt, auch wenn dieses Objekt selbst gar keine Verbindung zum Netz aufgebaut hat.
Für den Alltag klingt das zunächst abstrakt. In der Praxis bedeutet es, dass ein Netz, das ohnehin schon fast überall steht, zusätzlich als flächendeckendes Sensorsystem dienen kann. Ericsson spricht ausdrücklich von einer neuen Ebene der Situationserfassung, die auf dem Mobilfunknetz aufbaut. Wo bisher einzelne Kameras, spezielle Radargeräte oder akustische Sensoren jeweils nur einen Ausschnitt abdeckten, soll das Netz die Lücken dazwischen schließen und ein zusammenhängendes Bild liefern.
Warum tief fliegende Drohnen schwer zu sehen sind
Tief fliegende und schnelle Objekte sind für viele herkömmliche Systeme ein Problem. Sie bewegen sich knapp über dem Boden, sie sind klein, und sie können zwischen Gebäuden, Bäumen oder Anlagen verschwinden. Ein einzelner Sensor sieht sie vielleicht kurz, verliert sie aber wieder, sobald sie den Erfassungsbereich verlassen. Genau diese Lücke in geringen Höhen will ISAC schließen.
Das Problem ist nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich. Wer ein großes Gelände, eine lange Grenze oder ein weitläufiges Industrieareal lückenlos überwachen will, müsste sonst eine eigene, eigens dafür gebaute Sensorinfrastruktur aufstellen. Das kostet Zeit und Geld, und es braucht Wartung, Strom und Personal. Ein Ansatz, der auf bestehenden Mobilfunkstandorten aufbaut, kann nach Einschätzung von Branchenbeobachtern schneller und günstiger bereitgestellt werden als ein komplett neues Sensornetz. Ericsson verweist in seiner Mitteilung auf diese Überlegung und auf die große Zahl bereits vorhandener Standorte.
Was 2027 und 2028 geplant ist
Die kommerzielle Einführung soll schrittweise laufen. Den Anfang machen im Jahr 2027 kleinere kommerzielle Pilotprojekte mit ausgewählten Kunden, die sich zunächst rein auf die Sensorik konzentrieren. Ab 2028 sollen dann breiter angelegte Einsätze folgen. Integrierte Kommunikationsfunktionen sollen im Zuge der Weiterentwicklung der Lösung in Richtung 6G ergänzt werden.
Diese Stufung ist wichtig, um die Ankündigung richtig einzuordnen. ISAC ist kein System, das morgen flächendeckend in Deutschland läuft. Es ist eine vorgestellte Lösung, deren erste Pilotprojekte noch bevorstehen und deren breiterer Einsatz erst in zwei Jahren erwartet wird. Wer in Berichten liest, das Netz könne jetzt schon jede Drohne sehen, sollte vorsichtig sein. Nach dem, was Ericsson selbst mitteilt, geht es zunächst um Tests und um begrenzte Pilotprojekte, aus denen dann größere Einsätze wachsen sollen.
Wo das System zuerst helfen soll
Ericsson nennt als Zielgruppen Betreiber kritischer Infrastruktur sowie Akteure aus den Bereichen Verteidigung und öffentliche Sicherheit. Flughäfen, Energieanlagen, Häfen, Bahnanlagen und große Veranstaltungsorte gehören zu den Orten, an denen eine zuverlässige Erkennung von Drohnen besonders wichtig ist. Auch für den Schutz von Grenzen oder für die Überwachung sensibler Gebiete kann ein flächendeckendes Bild helfen, schneller zu reagieren.
Bei den Tests, die Ericsson bereits durchgeführt hat, spielte Finnland eine Rolle. Eine Demonstration mit Erillisverkot in Helsinki zeigte laut Mitteilung, wie mehrere 5G Standorte Drohnen erkennen und verfolgen können. In Polen zeigten Ericsson, Asseco und Play, wie die ISAC Technik von Ericsson, das Mobilfunknetz von Play und das akustische Erkennungssystem PUSZCZYK von Asseco zusammen eine präzisere Erkennung und Ortung von tief fliegenden Drohnen unterstützen können. Diese Beispiele zeigen, dass ISAC nicht als Ersatz für alle anderen Sensoren gedacht ist. Es soll sie ergänzen und dort helfen, wo ein einzelnes System an seine Grenzen kommt.
Was noch offen ist
Wie bei jeder neuen Technik bleiben Fragen offen. Die Mitteilung nennt keine Preise und keine genauen Angaben dazu, in welchen Ländern die ersten Pilotprojekte laufen werden. Auch zu Datenschutz und zum Umgang mit den erfassten Daten macht die Ankündigung keine ausführlichen Angaben, abgesehen davon, dass es um die Erkennung von Objekten geht und nicht um die Identifizierung von Personen. Für den Einsatz in Deutschland werden solche Fragen noch wichtig werden, sobald konkrete Projekte geplant sind.
Ein weiterer Punkt ist die Genauigkeit in der Praxis. Tests unter kontrollierten Bedingungen sind eine Sache, der Dauerbetrieb in einer Stadt mit viel Verkehr, Wetter und baulichen Hindernissen eine andere. Ericsson spricht von erfolgreichen Tests in den vergangenen Monaten, doch wie zuverlässig das System bei Regen, Schnee oder in dicht bebauten Gebieten arbeitet, wird sich erst in den Pilotprojekten zeigen. Auch die Frage, wie gut Drohnen von Vögeln oder anderen kleinen Objekten unterschieden werden, gehört zu den Details, die in der Praxis geprüft werden müssen.
Was das für Deutschland bedeutet
Für Deutschland ist die Ankündigung aus Düsseldorf auch ein Hinweis darauf, wie stark sich das Mobilfunknetz wandelt. Netze waren lange nur Transportwege für Sprache und Daten. Mit Sensorfunktionen werden sie zu einer Art Infrastruktur, die ihre Umgebung wahrnimmt. Das kann für Sicherheit und Katastrophenschutz nützlich sein, wirft aber zugleich neue Fragen zur Regulierung und zum Datenschutz auf, die Politik und Behörden begleiten müssen.
Wer sich für das Thema interessiert, sollte die Pilotprojekte 2027 im Blick behalten. Sie werden zeigen, ob die Technik im Alltag hält, was die Ankündigung verspricht.
Frequently Asked Questions
Was ist das Ericsson ISAC System?
ISAC steht für Integrated Sensing and Communication. Das System erweitert ein Mobilfunknetz um Sensorfunktionen, sodass 5G Anlagen mit Sensorfähigkeiten, Edge Computing, künstlicher Intelligenz und Signalverarbeitung Objekte wie Drohnen erkennen und verfolgen können, auch wenn diese Objekte nicht mit dem Netz verbunden sind.
Wann soll ISAC kommerziell eingesetzt werden?
Nach Angaben von Ericsson sind für 2027 erste kleinere kommerzielle Pilotprojekte mit ausgewählten Kunden geplant, die sich zunächst nur auf die Sensorik konzentrieren. Breiter angelegte Einsätze sollen ab 2028 folgen. Integrierte Kommunikationsfunktionen sollen später in Richtung 6G ergänzt werden.
Ersetzt ISAC andere Drohnenerkennungssysteme?
Nein, nach der Darstellung von Ericsson ergänzt ISAC bestehende Systeme. In Polen wurde ISAC zum Beispiel mit einem Mobilfunknetz und einem akustischen Erkennungssystem kombiniert, um tief fliegende Drohnen präziser zu erkennen und zu orten. Das System soll vor allem die Lücke in geringen Höhen über große Flächen schließen.



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