Berlin Science Week 2026 eröffnet: KI-Pionier Yoshua Bengio fragt, wem wir bei Künstlicher Intelligenz vertrauen können
Die Berlin Science Week 2026 startet heute in Berlin, und ihr Festivalzentrum im Haus der Kulturen der Welt öffnet zum ersten Mal seine Türen. Mehr als 110 Veranstaltungen unter einem Dach, über 350 Veranstaltungen in der ganzen Stadt und ein Eröffnungsgespräch, das mitten in die wichtigste Debatte unserer Zeit führt: Wem können wir vertrauen, wenn Künstliche Intelligenz immer mehr Entscheidungen trifft? Zur Eröffnung spricht der Turing-Preisträger Yoshua Bengio, einer der drei sogenannten Godfathers of AI, darüber, wie KI dem Gemeinwohl dienen kann und warum Selbstregulierung der Tech-Branche dafür nicht ausreicht.
Das Festival läuft vom 1. bis zum 10. November und verwandelt Berlin zehn Tage lang in eine Bühne für Wissenschaft. Forschungszentren, Museen, Bibliotheken und Kulturorte öffnen ihre Türen, und das zentrale Festivalzentrum im Haus der Kulturen der Welt, kurz HKW, ist vom 6. bis zum 8. November der Treffpunkt für alle, die Forscherinnen und Forscher direkt erleben wollen. Der Eintritt ins Festivalzentrum ist mit einem kostenlosen Drei-Tage-Pass möglich, den Besucherinnen und Besucher auf der Website berlinscienceweek.com bekommen. Das Motto in diesem Jahr lautet “In Touch”, also Wissenschaft zum Anfassen, und genau das ist der Anspruch: komplexe Themen sollen sich im Gespräch mit den Menschen dahinter erschließen, nicht nur in Vorträgen von der Bühne.
Ein Festival, das Wissenschaft persönlich macht
Die Berlin Science Week wird von der Falling Walls Foundation veranstaltet und unter anderem von der Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung unterstützt. Sie findet jedes Jahr Anfang November statt und bringt wissenschaftliche Entdeckungen und neue Perspektiven aus Berliner Einrichtungen und von internationalen Partnerinstitutionen in die Öffentlichkeit. In diesem Jahr sind es nach Angaben der Veranstalter mehr als 350 Veranstaltungen an über 120 Orten in der Hauptstadt.
Neu ist das Festivalzentrum im HKW in der John-Foster-Dulles-Allee 10 in Berlin-Tiergarten. Dort finden vom 6. bis zum 8. November mehr als 110 Programmpunkte statt: Live-Talks, Workshops, Filmvorführungen, Performances, Ausstellungsstände und Formate zum Netzwerken. Das Zentrum ist am Freitag von 12.30 Uhr bis Mitternacht geöffnet, am Samstag von 10 Uhr bis Mitternacht und am Sonntag von 9.30 Uhr bis 19.30 Uhr. Für Familien gibt es am Sonntag ein eigenes Programm, und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zeigt in seiner Raumfahrt-Show aktuelle Forschungsprojekte.
Bengio und die Frage nach dem Vertrauen
Der Auftakt am Freitag bildet die Eröffnungsveranstaltung “In Touch: Eröffnung Festivalzentrum” von 13 Uhr bis 14.30 Uhr im Miriam Makeba Auditorium des HKW. Im Mittelpunkt steht Yoshua Bengio. Der kanadische Informatiker legte die Grundlagen des heutigen Deep Learning und erhielt dafür 2018 gemeinsam mit Geoffrey Hinton und Yann LeCun den ACM Turing Award, der als Nobelpreis der Informatik gilt. Er gilt als einer der einflussreichsten Wissenschaftler der Künstlichen Intelligenz und zählt zu den meistzitierten lebenden Forschern seines Fachs.
Bengio spricht mit der BBC-Moderatorin Stephanie Hare darüber, wie KI dem Gemeinwohl dienen kann und warum die Selbstregulierung der Technologieindustrie dafür nicht ausreicht. Das ist kein abstraktes Thema. KI-Systeme entscheiden heute schon über Kreditanträge, Bewerbungen, medizinische Diagnosen und darüber, welche Nachrichten Millionen von Menschen sehen. Wer kontrolliert diese Systeme, wer haftet, wenn sie Fehler machen, und wem sollen wir glauben, wenn eine Maschine eine Antwort liefert? Bengio gehört zu den Wissenschaftlern, die diese Fragen seit Jahren öffentlich stellen und dabei auch vor der eigenen Branche nicht Halt machen.
Nach dem Gespräch mit Hare diskutieren Sibylle Anderl, Autorin und Co-Chefredakteurin für Wissenschaft bei der ZEIT, und die Transformationspsychologin Irina Nalis darüber, was KI mit uns macht, wenn wir Denken und Entscheiden zunehmend an Maschinen abgeben. Die Veranstaltung findet auf Englisch und Deutsch statt. Weitere Gäste der Eröffnung sind Christian Rauch, Festivaldirektor der Berlin Science Week, und Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, Intendant des HKW.
LawZero zieht nach Berlin
Bengios Auftritt hat auch eine handfeste Nachricht für Berlin. Seine gemeinnützige Forschungsorganisation LawZero, deren wissenschaftlicher Direktor und Co-Präsident er ist, baut eine Niederlassung in Berlin auf. Unterstützt wird der Schritt von Kanada und Deutschland. LawZero setzt sich dafür ein, dass Sicherheit und menschliches Wohlergehen im Mittelpunkt der KI-Entwicklung stehen, statt erst nachträglich über Risiken nachzudenken.
Für Berlin ist das ein bemerkenswerter Zuwachs. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren eine dichte Szene aus KI-Forschung, Start-ups und politischen Institutionen aufgebaut, und ein Büro von LawZero verstärkt genau den Teil dieser Szene, der sich mit der sicheren und verantwortungsvollen Entwicklung von KI beschäftigt.
Was Besucherinnen und Besucher im HKW erwartet
Neben Bengio bringt die Berlin Science Week weitere prominente Stimmen nach Berlin. Der Physik-Nobelpreisträger Brian Schmidt spricht über dunkle Materie und die beschleunigte Expansion des Universums, der Künstler Olafur Eliasson diskutiert mit der Technologieexpertin Francesca Bria und anderen Gästen über Europas technologische und kulturelle Zukunft. Das Programm reicht von Escape Rooms zum Thema Quantenphysik über KI-Tanzwettbewerbe bis zu Workshops, in denen man Forschung selbst ausprobieren kann.
Wer das Festivalzentrum besuchen will, braucht den kostenlosen Drei-Tage-Pass von berlinscienceweek.com. Das vollständige Programm mit allen Terminen steht ebenfalls auf der Website des Festivals. Die Veranstaltungen sind bewusst niedrigschwellig angelegt: Man muss kein Fachwissen mitbringen, um mit Forscherinnen und Forschern ins Gespräch zu kommen, und viele Formate sind auf Deutsch oder zweisprachig.
Die Berlin Science Week zeigt damit, wie ein Wissenschaftsfestival im Jahr 2026 aussehen kann: nicht als Fachkonferenz hinter geschlossenen Türen, sondern als offenes Angebot an eine Stadt, in der KI längst Alltag ist. Die Frage, die Bengio zur Eröffnung stellt, bleibt dabei die zentrale: Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass eine Technologie leistungsfähig ist, sondern dadurch, dass man versteht, wer sie kontrolliert und wofür sie eingesetzt wird.
Frequently Asked Questions
Wann und wo findet die Berlin Science Week 2026 statt?
Das Festival läuft vom 1. bis zum 10. November 2026 in ganz Berlin mit mehr als 350 Veranstaltungen an über 120 Orten. Das zentrale Festivalzentrum im Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10 in Berlin-Tiergarten, ist vom 6. bis zum 8. November geöffnet. Die Eröffnung mit Yoshua Bengio beginnt am Freitag, 6. November, um 13 Uhr im Miriam Makeba Auditorium.
Wer ist Yoshua Bengio?
Yoshua Bengio ist ein kanadischer Informatiker und einer der drei sogenannten Godfathers of AI. Er legte die Grundlagen des heutigen Deep Learning und erhielt dafür 2018 gemeinsam mit Geoffrey Hinton und Yann LeCun den ACM Turing Award. Als wissenschaftlicher Direktor und Co-Präsident der gemeinnützigen Forschungsorganisation LawZero setzt er sich dafür ein, dass Sicherheit und menschliches Wohlergehen im Mittelpunkt der KI-Entwicklung stehen.
Brauche ich ein Ticket für das Festivalzentrum im HKW?
Das Festivalzentrum kann mit einem kostenlosen Drei-Tage-Pass besucht werden, der auf berlinscienceweek.com erhältlich ist. Das vollständige Programm mit allen Veranstaltungen steht ebenfalls auf der Website. Viele Formate sind auf Deutsch oder zweisprachig, und man braucht kein Fachwissen, um teilzunehmen.



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