AIXTRON meldet Rekordquartal: KI-Rechenzentren treiben Aufträge auf 274,9 Millionen Euro
Der Herzogenrather Anlagenbauer AIXTRON hat am 29. Oktober 2026 Zahlen vorgelegt, die zeigen, wie stark der Ausbau von KI-Rechenzentren inzwischen auch deutsche Zulieferer erreicht. Im dritten Quartal 2026 stieg der Auftragseingang um 122 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 274,9 Millionen Euro, nach 124,0 Millionen Euro im dritten Quartal 2025. Treiber war laut Unternehmen vor allem die Nachfrage nach Anlagen für Laseranwendungen in der Kommunikation von KI-Rechenzentren.
Das ist mehr als ein gutes Quartal auf dem Papier. Der Auftragsbestand für Anlagen lag zum 30. September 2026 bei 549,4 Millionen Euro, nach 286,5 Millionen Euro im Vorjahr und 257,8 Millionen Euro zum Jahresende 2025. Damit verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über Umsatzsichtbarkeit weit in das Jahr 2027 hinein. Gleichzeitig bestätigte AIXTRON seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026.
Was die Zahlen im Einzelnen zeigen
Der Umsatz im dritten Quartal lag bei 183,6 Millionen Euro, nach 119,6 Millionen Euro im Vorjahresquartal, ein Plus von 54 Prozent. Damit lag der Umsatz innerhalb der Prognose von 180 Millionen Euro mit einer Bandbreite von plus oder minus 20 Millionen Euro. In den ersten neun Monaten 2026 belief sich der Umsatz auf 358,1 Millionen Euro, nach 369,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, also 3 Prozent weniger. Das dritte Quartal fällt damit deutlich stärker aus als der Durchschnitt der ersten neun Monate.
Beim Auftragseingang zeigt sich ein ähnliches Bild. In den ersten neun Monaten 2026 belief er sich auf 660,9 Millionen Euro, nach 374,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, ein Plus von 76 Prozent. Das dritte Quartal allein steuerte 274,9 Millionen Euro dazu bei. Die Optoelektronik machte dabei rund 68 Prozent des Anlagenauftragseingangs im Quartal aus, die Leistungselektronik rund 24 Prozent.
Auch die Profitabilität zog im Quartal deutlich an. Das Bruttoergebnis stieg im dritten Quartal um 88 Prozent auf 87,3 Millionen Euro, nach 46,4 Millionen Euro im Vorjahr. Die Bruttomarge verbesserte sich von 39 Prozent im dritten Quartal 2025 auf 48 Prozent. Das Unternehmen führt das auf einen vorteilhaften Produkt- und Regionalmix zurück. Das Betriebsergebnis stieg von 15,4 Millionen Euro auf 56,7 Millionen Euro, die EBIT-Marge von 13 Prozent auf 31 Prozent.
Warum optische Verbindungen gerade so gefragt sind
Im Mittelpunkt steht eine Technik, die man in einem Rechenzentrum nicht sieht, ohne die aber nichts läuft: die Verbindung zwischen den Rechnern. KI-Modelle werden auf vielen Prozessoren gleichzeitig trainiert und betrieben, und diese Prozessoren müssen ständig riesige Datenmengen untereinander austauschen. Dafür braucht es schnelle optische Verbindungen, also Licht statt Kupferkabel über längere Strecken.
Laut AIXTRON stieg die Nachfrage nach optischen Komponenten auf Basis von Indiumphosphid, kurz InP, im dritten Quartal weiterhin rasant an. Diese Komponenten machen den Großteil des Auftragsbestands aus. Der Ausbau von KI-Rechenzentren bleibt demnach der zentrale strukturelle Wachstumstreiber für optische Hochgeschwindigkeitsverbindungen.
Die Investitionen der Branche erstrecken sich laut Mitteilung sowohl auf optische 800G Transceiver als auch auf 1,6T Transceiver. Dabei stellen 800G Transceiver derzeit weiterhin die etablierte Volumenplattform dar. Der Übergang zu 1,6T dürfte dagegen schrittweise erfolgen, weil Kundenqualifizierungen und Lieferketten erst weiter reifen müssen. Für AIXTRON bedeutet das: Die heutige Nachfrage ist schon groß, und die nächste Stufe steht noch bevor, braucht aber Zeit.
Was in der Leistungselektronik passiert
Neben der Optoelektronik gibt es eine zweite Geschichte in diesen Zahlen: die Leistungselektronik. Dort hat sich die Dynamik im dritten Quartal laut Unternehmen verbessert. Erste Aufträge für Kapazitätserweiterungen sowie eine wachsende Projektpipeline deuten auf den Beginn einer Erholung in diesem Bereich hin.
Treiber sind insbesondere neue Niederspannungs-Anwendungen auf Basis von Galliumnitrid, kurz GaN, für die Stromversorgung von KI-Systemen, sowie industrielle und KI-bezogene Hochspannungs-Anwendungen auf Basis von Siliziumkarbid, kurz SiC. Einfach gesagt: KI-Systeme brauchen nicht nur schnelle Datenverbindungen, sondern auch eine Stromversorgung, die hohe Leistungen effizient und zuverlässig liefert. Genau dort setzen GaN und SiC an, weil sie im Vergleich zu herkömmlichem Silizium bei hohen Spannungen und Temperaturen Vorteile bieten können.
AIXTRON Chef Felix Grawert verwies in der Mitteilung darauf, dass steigende Kundenauslastungen, eine wieder anziehende Auftragsaktivität und Vorbereitungen für neue Kapazitäten zunehmend Hinweise auf eine Erholung der GaN- und SiC-Leistungselektronik liefern. Zusammen mit der Optoelektronik bestärke das die Erwartung eines starken Wachstumsjahres 2027, angeführt von der Optoelektronik.
Produktion und der neue Standort in Malaysia
Starke Aufträge nützen wenig, wenn die Produktion nicht mitkommt. AIXTRON berichtet, dass das Unternehmen gemeinsam mit seinen Zulieferern die Produktionsleistung kontinuierlich erhöht, um das erwartete Auslieferungswachstum in den kommenden Quartalen zu unterstützen. Der Output sei im Jahresverlauf 2026 von Quartal zu Quartal gestiegen und werde voraussichtlich bis zum Jahresende weiter zunehmen.
Der Bau des neuen Produktionsstandorts in Penang in Malaysia verläuft laut Mitteilung planmäßig. Der Standort liegt in einem der weltweit führenden Halbleiterökosysteme. Die neue Fertigungsstätte soll die Produktionsflexibilität erhöhen, die Lieferkettenresilienz stärken, zukünftiges Wachstum unterstützen und die langfristige Kostenwettbewerbsfähigkeit verbessern. Für ein Unternehmen, dessen Kunden weltweit produzieren, ist ein zweiter großer Standort auch eine Absicherung gegen Engpässe an einem einzigen Ort.
Was die Prognose für 2026 und 2027 bedeutet
AIXTRON bestätigt die am 14. April 2026 veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2026. Erwartet wird ein Umsatz von 560 Millionen Euro mit einer Bandbreite von plus oder minus 30 Millionen Euro, eine Bruttomarge von rund 42 Prozent und eine EBIT-Marge von 17 bis 20 Prozent. Das ist eine Bestätigung, keine Anhebung, und das ist in einem Quartal mit so starkem Auftragseingang durchaus bemerkenswert. Es zeigt, dass zwischen Auftrag und Umsatz Zeit liegt: Aufträge müssen erst produziert und ausgeliefert werden, bevor sie als Umsatz zählen.
Auf Basis der aktuellen Vertriebspipeline erwartet AIXTRON, das derzeit hohe Niveau des Auftragseingangs in den kommenden Quartalen zu halten oder weiter zu steigern. Unterstützt wird dies durch die Nachfrage nach Optoelektronik und zunehmend auch durch die sich verbessernde Dynamik in der Leistungselektronik. Der hohe Auftragsbestand unterstützt nach Angaben des Unternehmens die Erreichung der Jahresprognose.
Frequently Asked Questions
Was hat AIXTRON im dritten Quartal 2026 gemeldet?
Einen Auftragseingang von 274,9 Millionen Euro, ein Plus von 122 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und einen Umsatz von 183,6 Millionen Euro, ein Plus von 54 Prozent. Der Anlagenauftragsbestand lag zum 30. September 2026 bei 549,4 Millionen Euro.
Warum profitiert AIXTRON vom Ausbau der KI-Rechenzentren?
Weil KI-Rechenzentren schnelle optische Verbindungen zwischen vielen Prozessoren brauchen. AIXTRON liefert Anlagen zur Herstellung der Bauteile für diese Verbindungen, vor allem auf Basis von Indiumphosphid, und die Nachfrage danach stieg im Quartal rasant an.
Was erwartet AIXTRON für das Geschäftsjahr 2026?
Das Unternehmen bestätigt seine Prognose vom 14. April 2026: einen Umsatz von 560 Millionen Euro mit einer Bandbreite von plus oder minus 30 Millionen Euro, eine Bruttomarge von rund 42 Prozent und eine EBIT-Marge von 17 bis 20 Prozent.
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