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ECHIS Challenge: Deutschland sucht neue Technik gegen gefälschte Satellitensignale

ECHIS Challenge: Deutschland sucht neue Technik gegen gefälschte Satellitensignale

ECHIS Challenge: Deutschland sucht neue Technik gegen gefälschte Satellitensignale

Satellitennavigation steckt in fast jedem Alltag, vom Handy über das Auto bis zu vernetzten Systemen in Behörden und Streitkräften. Genau deshalb ist sie ein attraktives Ziel für Manipulation. Mit der ECHIS Challenge sucht die deutsche Cyberagentur jetzt neue Technik, die gefälschte Satellitensignale erkennt, einordnet und abwehrt. Der Wettbewerb ist am 2. November 2026 gestartet, und Kurzkonzepte können bis zum 8. Januar 2027 eingereicht werden.

Der Name ECHIS steht für einen Wettbewerb im Bereich Navigation Warfare, also der elektronischen Beeinflussung satellitengestützter Navigation. Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit, kurz Cyberagentur, führt die Challenge gemeinsam mit dem Kommando Cyber und Informationsraum der Bundeswehr durch. Das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt, kurz DLR, unterstützt den Wettbewerb als Partner. Teilnehmen können laut Ausschreibung Startups, Unternehmen, Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Einzelpersonen mit passender Fachkenntnis.

Was GNSS Spoofing überhaupt bedeutet

GNSS ist die Abkürzung für Global Navigation Satellite System, also das weltweite System aus Satelliten, das Position und Zeit liefert. Beim GNSS Spoofing werden gefälschte Satellitensignale erzeugt. Ein Empfänger bekommt dadurch falsche Positionsdaten oder falsche Zeitangaben, ohne dass das auf den ersten Blick auffällt. Das ist etwas anderes als einfaches Stören, bei dem ein Signal nur blockiert wird. Beim Spoofing wird der Empfänger gezielt in die Irre geführt.

Laut Cyberagentur kann das die Navigation unbemannter Systeme beeinträchtigen, die Zuverlässigkeit militärischer Lagebilder schwächen und die Synchronisierung vernetzter Systeme stören. Viele moderne Systeme brauchen nicht nur eine ungefähre Position, sondern auch eine sehr genaue Zeit. Wenn die Zeitangabe verfälscht wird, können Abläufe auseinanderlaufen, auch wenn jede einzelne Komponente für sich noch zu funktionieren scheint. Genau diese stille Verfälschung macht Spoofing so heikel. Ein System, das gar keine Daten bekommt, meldet meist einen Fehler. Ein System, das falsche Daten für echte hält, arbeitet dagegen weiter, nur eben mit der falschen Grundlage.

Zwei Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt

Die ECHIS Challenge sucht nach Angaben der Cyberagentur disruptive Technologien für Navigation Warfare. Im Mittelpunkt stehen zwei Fähigkeitsbereiche. Der erste Bereich ist die Erkennung, Charakterisierung und Lokalisierung gegnerischer GNSS Manipulationen. Es geht also nicht nur darum zu merken, dass etwas nicht stimmt. Die Technik soll möglichst auch einordnen, was genau passiert, und herausfinden, woher die Manipulation kommt.

Der zweite Bereich ist die Durchführung eigener GNSS Stör und Täuschmaßnahmen. Das klingt zunächst offensiv, gehört in diesem militärischen Kontext aber zum selben Themenfeld: Wer versteht, wie Navigation beeinflusst werden kann, soll auch eigene Maßnahmen in diesem Bereich entwickeln können. Die Challenge ist technologieoffen angelegt. Gesucht werden innovative Forschungsansätze aus der Sensorik, der Signalverarbeitung, der Hard und Softwareentwicklung sowie integrierte Systemlösungen. Auch einzelne technologische Komponenten können eingereicht werden. Entscheidend sind nach Angaben der Veranstalter Innovationspotenzial, operative Relevanz und technische Realisierbarkeit.

Bis zu 420.000 Euro für Entwicklung und Prämien

Für die ausgewählten Teams ist eine finanzierte Entwicklungsphase vorgesehen. Bis zu sechs Teilnehmende oder Teams können ihre Konzepte zu funktionsfähigen Prototypen weiterentwickeln. Dafür stehen jeweils 40.000 Euro Forschungs und Entwicklungsbudget zur Verfügung. Die drei bestplatzierten Lösungen erhalten zusätzlich Innovationsprämien von 100.000 Euro, 50.000 Euro und 30.000 Euro. Insgesamt ergibt das den in der Ausschreibung genannten Rahmen von bis zu 420.000 Euro.

Wichtig ist dabei die Reihenfolge. Zuerst geht es um Kurzkonzepte, nicht um fertige Produkte. Wer in dieser ersten Phase überzeugt, bekommt die Chance, in der finanzierten Phase einen Prototyp zu bauen. Erst danach folgt die Erprobung unter realitätsnahen Bedingungen. Im September 2027 sollen die entwickelten Technologien auf einem Testgelände in Deutschland erprobt und abschließend bewertet werden. Das ist ein klarer Unterschied zu einem reinen Ideenwettbewerb. Am Ende soll Technik stehen, die sich in der Praxis testen lässt.

Die Teilnahmebedingungen sind auf der Webseite der Challenge veröffentlicht. Kurzkonzepte können bis zum 8. Januar 2027 um 14:00 Uhr in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Diese Zweisprachigkeit erleichtert es auch internationalen Teams und Forschungseinrichtungen, sich zu beteiligen, ohne dass die Einreichung an einer Sprachhürde scheitert. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb klar in Deutschland verankert, von den Partnern über die Erprobung bis zur Bewertung.

Warum die Challenge gerade jetzt kommt

Satellitennavigation ist längst keine reine Militärtechnik mehr. Sie steckt in Logistik, Landwirtschaft, Energieversorgung, Finanzsystemen und vielen anderen Bereichen, die auf genaue Zeit und Position angewiesen sind. Wenn Manipulationstechniken billiger und leichter verfügbar werden, wächst das Risiko, dass auch zivile Systeme betroffen sind. Die ECHIS Challenge ist zwar militärisch ausgerichtet, doch die Grundfrage betrifft die Gesellschaft insgesamt: Wie erkennen wir, ob ein Satellitensignal echt ist?

Die Zusammenarbeit von Cyberagentur, Bundeswehr und DLR verbindet dabei drei Blickwinkel. Die Cyberagentur bringt die langfristig ausgerichtete Cybersicherheitsforschung ein. Das Kommando Cyber und Informationsraum steht für operative Anforderungen aus der Praxis. Das DLR steuert technologische und wissenschaftliche Kompetenz rund um Luft und Raumfahrt bei. Diese Mischung soll verhindern, dass am Ende eine Lösung entsteht, die im Labor funktioniert, aber im Einsatz an einfachen Bedingungen scheitert.

Was das für Leserinnen und Leser bedeutet

Für den Alltag ändert sich durch die Challenge zunächst nichts direkt. Niemand muss sein Handy umstellen oder eine neue App installieren. Der Wert liegt eher in der mittelbaren Wirkung. Wenn Erkennungstechnik besser wird, können Systeme in Zukunft schneller warnen, wenn ein Signal nicht vertrauenswürdig ist. Wenn Lokalisierungstechnik besser wird, lässt sich eine Störquelle schneller finden und ausschalten. Und wenn eigene Maßnahmen besser verstanden werden, lassen sich Abwehr und Gegenmaßnahmen gezielter planen.

Wer sich für die Details interessiert, findet die Teilnahmebedingungen und weitere Informationen auf der Challenge Webseite der Cyberagentur. Dort ist auch nachzulesen, welche Formate für Kurzkonzepte erwartet werden. Für Teams aus Forschung und Industrie ist die Frist im Januar 2027 der entscheidende Termin. Für alle anderen ist die ECHIS Challenge ein guter Anlass, einmal genauer hinzusehen, wie abhängig unser Alltag von Satellitensignalen geworden ist und warum ihr Schutz so wichtig ist.

Frequently Asked Questions

Was ist die ECHIS Challenge? Die ECHIS Challenge ist ein Wettbewerb der Cyberagentur für neue Technologien im Bereich Navigation Warfare. Gesucht werden Ansätze zur Erkennung und Lokalisierung von GNSS Manipulationen sowie zur Durchführung eigener Stör und Täuschmaßnahmen. Partner sind das Kommando Cyber und Informationsraum der Bundeswehr und das DLR.

Bis wann können Kurzkonzepte eingereicht werden? Kurzkonzepte können bis zum 8. Januar 2027 um 14:00 Uhr in deutscher oder englischer Sprache eingereicht werden. Bis zu sechs ausgewählte Teilnehmende oder Teams erhalten danach jeweils 40.000 Euro, um ihre Konzepte zu Prototypen weiterzuentwickeln.

Wie viel Geld steht insgesamt zur Verfügung? Insgesamt stehen bis zu 420.000 Euro zur Verfügung. Das setzt sich aus jeweils 40.000 Euro Entwicklungsbudget für bis zu sechs Teams und zusätzlichen Innovationsprämien von 100.000 Euro, 50.000 Euro und 30.000 Euro für die drei bestplatzierten Lösungen zusammen. Die Erprobung ist für September 2027 auf einem Testgelände in Deutschland geplant.

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