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45 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten einen Sicherheitsvorfall durch KI-Agenten: Was die it-sa 2026 zeigt

45 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten einen Sicherheitsvorfall durch KI-Agenten: Was die it-sa 2026 zeigt

45 Prozent der deutschen Unternehmen erwarten einen Sicherheitsvorfall durch KI-Agenten: Was die it-sa 2026 zeigt

KI-Agenten arbeiten inzwischen in vielen deutschen Unternehmen mit, sie beantworten Kundenanfragen, werten Daten aus und starten Abläufe selbstständig. Doch je mehr Verantwortung die Systeme übernehmen, desto größer wird die Sorge vor dem, was schiefgehen kann. Eine aktuelle Studie zeigt nun, wie gespalten die Stimmung ist: Die Technik ist angekommen, das Vertrauen in ihre Sicherheit hinkt hinterher.

Die Zahlen stammen von der it-sa 2026 in Nürnberg, der größten Fachmesse für IT-Sicherheit in Europa. Vom 27. bis zum 29. Oktober 2026 kamen dort erstmals mehr als 1.000 Aussteller zusammen, genau waren es 1.005 Unternehmen. Drei Tage lang ging es um Sicherheitskonzepte, neue Technik und die Regeln, die Unternehmen in Deutschland in den kommenden Jahren einhalten müssen.

Was die Proofpoint-Studie über KI-Agenten sagt

Im Mittelpunkt der Debatte stand eine Untersuchung von Proofpoint aus dem Juli 2026. Befragt wurden 205 IT-Fachkräfte mit Sicherheitsverantwortung in deutschen Unternehmen mit mindestens 1.000 Beschäftigten. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 65,4 Prozent der Befragten gaben an, dass KI-Agenten in ihrem Unternehmen bereits breit oder sogar unternehmensweit eingesetzt werden.

Fast die Hälfte der Befragten rechnet zugleich mit Problemen. 45,4 Prozent erwarten, dass es innerhalb der nächsten zwölf Monate zu einem Sicherheitsvorfall durch den Einsatz von KI-Agenten kommt. Das ist keine kleine Minderheit, sondern fast jede zweite Sicherheitsverantwortliche in einem großen deutschen Unternehmen.

Die Sorge ist nachvollziehbar. Ein KI-Agent, der eigenständig auf Daten zugreift, E-Mails verschickt oder Bestellungen auslöst, kann bei einem Fehler oder einem Angriff schnell Schaden anrichten. Ein klassisches Computerprogramm macht nur, was man ihm genau vorgibt. Ein Agent entscheidet dagegen in vielen Fällen selbst, welchen nächsten Schritt er wählt, und genau diese Eigenständigkeit macht ihn für Angreifer interessant.

Warum KI-Agenten ein neues Risiko sind

Bislang mussten Angreifer einen Menschen austricksen, etwa mit einer gefälschten E-Mail, um an vertrauliche Daten zu kommen. Bei einem KI-Agenten kann der Angriffsweg anders aussehen. Manipulierte Inhalte in einer E-Mail, einem Dokument oder einer Webseite können den Agenten dazu bringen, Daten weiterzugeben oder Aktionen auszulösen, die niemand so gewollt hat. Fachleute nennen das Prompt Injection, also das Einschleusen schädlicher Anweisungen in Daten, die der Agent liest.

Dazu kommt ein zweites Problem: Viele Unternehmen wissen gar nicht genau, welche Agenten bei ihnen laufen und worauf diese Zugriff haben. Wenn ein Agent mit einem Kundenkonto, einer Datenbank oder einem Bezahlsystem verbunden ist, kann ein einziger Fehler weitreichende Folgen haben. Die Studie legt nahe, dass die Einführung der Technik in vielen Firmen schneller ging als der Aufbau der passenden Sicherheitsmaßnahmen.

Auf der Messe war das Thema überall präsent. Beobachter von Talos, dem Sicherheitsteam von Cisco, hoben hervor, dass die Absicherung von Systemen mit künstlicher Intelligenz und KI-gestützte Abwehrwerkzeuge zu den zentralen Themen der Messetage gehörten. Auch Post-Quanten-Kryptografie, digitale Souveränität und rechtliche Rahmenbedingungen wie NIS2, der Cyber Resilience Act und DORA standen auf der Agenda.

Krankenhäuser rüsten bei Erkennung und Reaktion auf

Besonders deutlich wird der Handlungsdruck in der kritischen Infrastruktur. Eine Befragung von ESET und Techconsult unter Krankenhausentscheidern in Deutschland ergab, dass 85,5 Prozent der Teilnehmer in den kommenden zwölf Monaten Investitionen in Lösungen für Erkennung und Reaktion planen oder bestehende Systeme erweitern wollen. Krankenhäuser gehören zu den attraktivsten Zielen für Angreifer, weil ein Ausfall der IT dort unmittelbar Menschen gefährden kann.

ESET selbst investiert nach eigenen Angaben im Jahr 2026 weitere 40 Millionen Euro in KI- und Sicherheitstechnologien. Das zeigt, dass auch die Sicherheitsbranche den Wandel ernst nimmt und die Abwehr ebenfalls mit künstlicher Intelligenz verstärken will.

Auch die Nachwuchsseite kam auf der Messe zur Sprache. In Deutschland gibt es nach Angaben der Veranstalter rund 30 Bachelor-Studiengänge im Cyberbereich, aber keinen Ausbildungsberuf mit Spezialisierung auf IT-Sicherheit. Angesichts der wachsenden Aufgaben, die KI-Agenten und neue Angriffsmethoden mit sich bringen, wird der Fachkräftemangel damit zu einem Sicherheitsrisiko für sich.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die Botschaft der Messe war nicht, auf KI-Agenten zu verzichten. Die Technik spart Zeit, entlastet Mitarbeiter und wird in vielen Branchen schon zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags. Die Botschaft war vielmehr, die Agenten genauso zu behandeln wie jeden anderen Mitarbeiter mit weitreichenden Rechten: mit klaren Regeln, begrenztem Zugriff und ständiger Kontrolle.

Konkret heißt das: Ein Agent sollte nur auf die Daten zugreifen können, die er für seine Aufgabe wirklich braucht. Kritische Aktionen, etwa Zahlungen oder das Löschen von Daten, sollten eine menschliche Freigabe erfordern. Und jede Aktion des Agenten sollte protokolliert werden, damit man im Ernstfall nachvollziehen kann, was passiert ist.

Ebenso wichtig ist die Schulung der eigenen Mitarbeiter. Wer weiß, wie Prompt Injection funktioniert, erkennt eher, wenn ein Dokument oder eine E-Mail verdächtig wirkt. Wer versteht, was ein Agent darf und was nicht, merkt schneller, wenn etwas aus dem Ruder läuft.

Ein Blick nach vorn

Die it-sa 2026 hat gezeigt, dass die deutsche Sicherheitsbranche den Ernst der Lage erkannt hat. Mit 1.005 Ausstellern war die Messe so groß wie nie zuvor, und die Diskussionen drehten sich weniger um einzelne Produkte als um die Frage, wie Unternehmen KI sicher in den Alltag integrieren. Auch junge Unternehmen waren vertreten: Der ATHENE Startup Award UP26@it-sa ging an Fuzzware aus Bochum, ein Startup, das Firmware ohne echte Hardware testet.

Die nächste Auflage der Messe ist bereits terminiert: Die it-sa 2027 findet vom 5. bis zum 7. Oktober 2027 statt. Eine digitale Zusammenfassung des diesjährigen Messegeschehens ist für den 19. November 2026 auf der Plattform it-sa 365 geplant.

Bis dahin bleibt die Zahl aus der Proofpoint-Studie der wichtigste Weckruf: Wenn fast jedes zweite große Unternehmen in Deutschland innerhalb eines Jahres mit einem Sicherheitsvorfall durch KI-Agenten rechnet, dann ist es höchste Zeit, die Sicherheitsregeln genauso schnell weiterzuentwickeln wie die Technik selbst.

Frequently Asked Questions

Was ist ein KI-Agent?

Ein KI-Agent ist ein Softwaresystem, das auf Basis künstlicher Intelligenz Aufgaben weitgehend selbstständig erledigt. Es kann Informationen sammeln, Entscheidungen treffen und Aktionen auslösen, etwa eine E-Mail beantworten, einen Termin buchen oder Daten in einem System aktualisieren, ohne dass ein Mensch jeden Schritt vorgibt.

Warum erwarten so viele Unternehmen einen Sicherheitsvorfall durch KI-Agenten?

Laut der Proofpoint-Studie setzen 65,4 Prozent der befragten großen Unternehmen KI-Agenten bereits breit ein, während die Sicherheitsmaßnahmen oft noch nicht mitgewachsen sind. Agenten greifen auf sensible Daten zu und führen Aktionen eigenständig aus, was neue Angriffswege eröffnet, etwa über manipulierte Inhalte, die der Agent liest und befolgt.

Was können Unternehmen tun, um KI-Agenten sicher einzusetzen?

Unternehmen sollten den Zugriff jedes Agenten auf das Nötigste begrenzen, kritische Aktionen wie Zahlungen von einem Menschen freigeben lassen und alle Aktionen protokollieren. Dazu kommen regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter und klare Regeln, welche Aufgaben ein Agent überhaupt übernehmen darf.

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