Fast alle Unternehmen wollen KI aus Deutschland: Bitkom-Umfrage zum Digital-Gipfel 2026
Die deutsche Wirtschaft hat sich klar positioniert: Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, soll sie am liebsten aus Deutschland kommen. Das zeigt eine neue Umfrage des Digitalverbands Bitkom, die zum Start des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin veröffentlicht wurde. 96 Prozent der befragten Unternehmen würden bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Gleichzeitig macht die Umfrage deutlich, dass dieser Vertrauensvorschuss an Bedingungen geknüpft ist.
Was die Bitkom-Umfrage zeigt
Für die Umfrage befragte Bitkom 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten. Die Befragung ist repräsentativ angelegt und wurde anlässlich des Digital-Gipfels veröffentlicht, der am 2. November 2026 in Berlin begonnen hat. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Fast alle Unternehmen sprechen sich für KI aus Deutschland aus.
Für 87 Prozent der Befragten ist das Herkunftsland bei der Auswahl eines KI-Anbieters wichtig. Das ist ein bemerkenswert hoher Wert, denn bei Software ging es lange vor allem um Funktionen, Preis und einfache Einführung. Herkunft war ein Thema für den Einkauf von Hardware oder für besonders sensible Bereiche, nicht für den breiten Einsatz von KI im Büroalltag. Diese Haltung scheint sich zu ändern.
Interessant ist auch der Blick auf andere Länder. Frankreich legt zu: 46 Prozent der Unternehmen würden bevorzugt KI französischer Anbieter nutzen, nach 38 Prozent im Vorjahr. Anbieter aus anderen EU-Ländern kommen auf 43 Prozent, nach 40 Prozent vor einem Jahr. Die Vereinigten Staaten verlieren dagegen deutlich an Zuspruch. Nur noch 41 Prozent würden bevorzugt KI aus den USA nutzen, vor einem Jahr waren es 51 Prozent. Chinesische KI möchten noch 12 Prozent bevorzugt nutzen, 2025 waren es 18 Prozent.
Warum die Herkunft plötzlich zählt
Die Zahlen lassen sich nicht mit einem einzigen Grund erklären, aber mehrere Entwicklungen weisen in dieselbe Richtung. Erstens ist KI inzwischen in vielen Unternehmen Teil des Alltags geworden: Sie hilft beim Schreiben, beim Auswerten von Daten, bei der Suche in Dokumenten und bei der Kundenkommunikation. Damit verarbeitet sie oft interne Informationen, die ein Unternehmen nicht leichtfertig aus der Hand geben will.
Zweitens spielt die Frage eine Rolle, welchem Recht ein Anbieter unterliegt und wo Daten verarbeitet werden. Europäische Unternehmen müssen sich an strenge Datenschutzregeln halten, und viele Kunden fragen inzwischen genauer nach, wo ihre Daten landen. Ein Anbieter aus Deutschland oder aus der EU wirkt für viele Firmen berechenbarer, weil er denselben Regeln unterliegt wie sie selbst.
Drittens geht es um Unabhängigkeit. Wer seine zentralen Werkzeuge komplett von wenigen großen Anbietern aus anderen Ländern bezieht, macht sich abhängig von deren Preisen, deren Regeln und deren politischen Rahmenbedingungen. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst formulierte es so: „Deutschland und Europa dürfen bei KI nicht nur Anwender sein, wir müssen auch Anbieter werden.” Die Umfrage zeigt, dass diese Sicht in der Wirtschaft auf breite Zustimmung stößt.
Die Kehrseite: Kein Rabatt bei Leistung und Preis
So eindeutig die Präferenz für deutsche KI auch ausfällt, so klar ist auch ihre Grenze. 64 Prozent der Unternehmen sind nicht bereit, dafür Abstriche in Kauf zu nehmen, etwa einen höheren Preis oder einen geringeren Funktionsumfang. Der Wunsch nach heimischer KI ist also kein Freibrief für schwächere Produkte.
Das ist eine wichtige Botschaft für deutsche Anbieter. Sie müssen im direkten Vergleich bestehen, nicht nur mit dem richtigen Standort punkten. Wer langsamer arbeitet, weniger kann oder deutlich mehr kostet, wird trotz der positiven Grundstimmung viele Kunden verlieren. Wintergerst wies selbst darauf hin, dass entsprechende Angebote im Wettbewerb bestehen müssen, unabhängig vom Standort des Anbieters.
Für die Unternehmen selbst bedeutet das: Die Entscheidung für einen Anbieter bleibt eine Abwägung. Herkunft kann ein Pluspunkt sein, ersetzt aber keine Prüfung von Funktionen, Sicherheit, Kosten und Support. Gerade kleinere Firmen sollten sich vor dem Wechsel Zeit nehmen, ein neues Werkzeug im Alltag zu testen, bevor sie es fest in ihre Abläufe einbauen.
Was die Wirtschaft von der Politik fordert
Die Umfrage enthält auch klare Forderungen an die Bundespolitik. 97 Prozent der Unternehmen wünschen sich, dass die Investitionen in Schlüsseltechnologien verstärkt werden. Ebenso viele fordern eine dringende Stärkung der digitalen Souveränität. Knapp zwei Drittel, also 64 Prozent, meinen, Deutschland brauche mehr Hyperscaler, also sehr große Cloud-Anbieter.
Hinter diesen Zahlen steckt ein praktisches Problem: KI braucht Rechenkapazität, Daten und Fachkräfte. Ohne ausreichend große Rechenzentren und ohne Zugang zu Daten können auch gute Modelle nicht im großen Maßstab betrieben werden. Dazu kommen Regeln, die Innovationen ermöglichen, statt sie zu bremsen, und ein Staat, der selbst als Vorreiter KI aus Deutschland und Europa einsetzt.
Der Digital-Gipfel in Berlin ist der Ort, an dem diese Forderungen diskutiert werden. Regierungsvertreter, Experten und Unternehmer aus zahlreichen Ländern beraten dort über Chancen, Risiken und Auswirkungen von KI. Bundeskanzler Friedrich Merz und Digitalminister Karsten Wildberger nehmen an dem Treffen teil. Ob aus den Forderungen konkrete Maßnahmen werden, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Was das für Nutzer und kleinere Firmen bedeutet
Für Beschäftigte und kleinere Firmen ändert sich zunächst wenig im Alltag, aber die Richtung ist erkennbar. Wer künftig KI-Werkzeuge auswählt, wird häufiger deutsche oder europäische Angebote in der engeren Auswahl finden. Das kann die Auswahl erleichtern, weil Support, Vertragsbedingungen und Datenschutz oft näher an den eigenen Anforderungen liegen.
Gleichzeitig sollten Nutzerinnen und Nutzer nicht allein auf das Herkunftslabel schauen. Entscheidend bleibt, was ein Werkzeug mit den eigenen Daten macht, wie transparent es arbeitet und ob es sich wieder sauber ablösen lässt. Ein Anbieterwechsel ist bei KI oft aufwendiger, als es zunächst aussieht, wenn Dokumente, Abläufe und Gewohnheiten erst einmal darauf aufgebaut sind.
Die Bitkom-Umfrage ist damit weniger ein Schlusspunkt als ein Stimmungsbild zu Beginn des Digital-Gipfels. Sie zeigt einen breiten Wunsch nach KI aus Deutschland, verbunden mit einer klaren Erwartung: Sie muss gut, bezahlbar und verlässlich sein. Wenn deutsche Anbieter das liefern und die Politik die Rahmenbedingungen verbessert, könnte aus der Präferenz ein dauerhafter Markt werden. Wenn nicht, bleibt sie ein Wunsch, der im Alltag an Preis und Leistung scheitert.
Häufig gestellte Fragen
Was hat die Bitkom-Umfrage genau ergeben?
Laut Bitkom würden 96 Prozent der befragten Unternehmen bevorzugt KI-Anwendungen deutscher Anbieter nutzen. Für 87 Prozent ist das Herkunftsland bei der Auswahl eines KI-Anbieters wichtig. Befragt wurden 603 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.
Warum verlieren US-Anbieter an Zuspruch?
Die Umfrage zeigt einen Rückgang von 51 Prozent im Vorjahr auf 41 Prozent. Gründe nennt die Umfrage selbst nicht im Detail, aber Themen wie Datenschutz, Rechtsrahmen und der Wunsch nach weniger Abhängigkeit spielen für viele Unternehmen eine Rolle. Gleichzeitig gewinnen Frankreich und andere EU-Länder an Zustimmung.
Bedeutet die Umfrage, dass deutsche KI automatisch besser ist?
Nein. 64 Prozent der Unternehmen sind nicht bereit, für deutsche KI Abstriche bei Preis oder Funktionsumfang hinzunehmen. Herkunft ist für die Befragten ein Pluspunkt, aber kein Ersatz für Leistung, Sicherheit und einen fairen Preis.



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