Vishay investiert in Itzehoe: Größere Chip-Wafer und bis zu 250 neue Jobs für den Norden
Der Norden Deutschlands bekommt ein neues Kapitel in der Chipfertigung. Der Halbleiterhersteller Vishay will seinen Standort in Itzehoe in Schleswig-Holstein kräftig ausbauen und dort künftig deutlich größere Siliziumscheiben produzieren. Am 30. Oktober 2026 überreichte Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen einen Förderbescheid über rund 215 Millionen Euro an das Unternehmen. Die Meldung kommt zu einer Zeit, in der Europa seine Abhängigkeit von Chipimporten aus Asien und den USA verringern will. Für Itzehoe ist der Ausbau ein klares Signal: Der Standort bleibt, er wächst, und er wird moderner.
Was genau in Itzehoe geplant ist
Vishay plant eine Investition in einem hohen dreistelligen Millionenbereich. Eine genaue Summe nannte das Unternehmen zunächst nicht. Andreas Hein, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sprach von rund einer Milliarde Euro. Diese Zahl ist eine politische Angabe, keine bestätigte Unternehmenszahl, und sie sollte mit Vorsicht gelesen werden. Sicher ist: Es geht um sehr viel Geld, und es geht um eine neue Fabrik.
In der neuen Fabrik sollen künftig Halbleiterscheiben mit einem Durchmesser von 300 Millimetern hergestellt werden. Bislang produziert Vishay in Itzehoe herkömmliche Scheiben mit 200 Millimetern Durchmesser. Aus den größeren Scheiben will das Unternehmen Leistungstransistoren fertigen, sogenannte Power-Mosfets. Diese Bauteile stecken in vielen Produkten des Alltags: in Elektroautos, in Ladegeräten, in Industriemaschinen und in Anlagen für erneuerbare Energien. Sie schalten elektrische Ströme und regeln, wie viel Energie wohin fließt. Ohne sie läuft in der modernen Elektronik fast nichts.
Nach Angaben des Unternehmens sollen am Standort trotz automatisierter Produktionsabläufe bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen. Das ist bemerkenswert, weil neue Chipfabriken oft als fast menschenleere Hallen beschrieben werden. In Itzehoe sieht die Rechnung anders aus: Automatisierung ja, aber mit neuen Fachkräften für Betrieb, Wartung, Qualitätskontrolle und Entwicklung.
215 Millionen Euro Förderung von Bund und Land
Der Ausbau wird öffentlich gefördert. Bund und Land Schleswig-Holstein stellen zusammen rund 215 Millionen Euro bereit. Der Bund trägt mit 172 Millionen Euro den größten Anteil, das Land steuert etwa 43 Millionen Euro bei. Wirtschaftsminister Madsen übergab den Förderbescheid am 30. Oktober 2026 an Roy Shoshani, Executive Vice President und Chief Operating Officer von Vishay Intertechnology.
Die Förderung ist kein Blankoscheck. Nach offiziellen Angaben sind Meilensteine und Berichtspflichten an die Auszahlung geknüpft. Der Bau muss vorankommen, die neuen Fertigungslinien müssen qualifiziert werden, und die zugesagten Effekte müssen sich zeigen lassen. Die Europäische Kommission hatte die staatliche Hilfe bereits im Juli 2026 genehmigt. Damals wurden insgesamt 659 Millionen Euro an Fördermitteln für vier Halbleiterprojekte in Deutschland freigegeben. Geld fließt demnach auch in Projekte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bayern.
Grundlage der Förderung ist der European Chips Act, der 2023 in Kraft trat. Mit diesem Gesetz will die EU zusätzliche Fertigungskapazitäten in Europa aufbauen und die Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferketten verringern. Die Chipkrise der vergangenen Jahre hat gezeigt, wie schnell ein Engpass bei wenigen Bauteilen ganze Industrien ausbremsen kann, von der Autoindustrie bis zur Medizintechnik.
Warum 300 Millimeter so wichtig sind
Der Wechsel von 200 auf 300 Millimeter klingt nach einer kleinen Zahl, hat aber große Folgen. Auf einer größeren Scheibe passen deutlich mehr Chips. Die Fertigung wird dadurch pro Chip günstiger, und die Kapazität eines Werks steigt stark an, ohne dass die Halle im gleichen Maß wachsen muss. Berichten zufolge will Vishay seine Fertigungskapazität am Standort mehr als verdoppeln. Der NDR berichtete, die Produktion auf den neuen Linien solle im kommenden Jahr beginnen.
Für Kunden in Europa ist das ein praktischer Vorteil. Leistungshalbleiter aus Itzehoe müssen dann nicht erst um die halbe Welt transportiert werden. Kürzere Wege bedeuten weniger Lieferrisiko und schnellere Reaktionszeiten, wenn ein Kunde kurzfristig mehr Bauteile braucht. Das ist gerade für Autohersteller und Maschinenbauer in Deutschland ein Argument, das zählt.
Vishay ist in Itzehoe kein Neuling. Der US-Konzern produziert dort bereits seit mehreren Jahrzehnten Halbleiter. Der Standort ist Teil eines norddeutschen Netzwerks zur Förderung der regionalen Chipindustrie. Halbleiterunternehmen und Forschungseinrichtungen aus Hamburg und Schleswig-Holstein gründeten in diesem Jahr das Northern Chip Network. Solche Netzwerke helfen dabei, Fachkräfte zu finden, Forschung in Produkte zu übersetzen und Zulieferer in der Region zu halten.
Was das für die Region bedeutet
Für Schleswig-Holstein ist der Ausbau mehr als eine Unternehmensmeldung. Bis zu 250 neue Stellen bedeuten Einkommen, das in der Region bleibt, und Aufträge für Handwerk, Bau und Dienstleister rund um das Werk. Wirtschaftsminister Madsen betonte bei der Übergabe, dass der Ausbau auch Know-how und Fachkräfte in der Region ansiedelt. Das wiederum hilft benachbarten Unternehmen, die ebenfalls auf Elektronik und Präzisionstechnik angewiesen sind.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, wie Industriepolitik in der Praxis aussieht. Ohne die Förderung hätte Vishay den Ausbau womöglich kleiner geplant oder an einem anderen Standort umgesetzt. Mit der Förderung bleibt die Wertschöpfung in Deutschland. Kritiker solcher Hilfen fragen oft, ob Steuergeld hier richtig eingesetzt ist. Befürworter verweisen auf die strategische Bedeutung: Wer keine eigene Chipfertigung hat, ist in Krisen erpressbar. Die EU-Kommission hat die Hilfe geprüft und genehmigt, was zumindest formal gegen eine Wettbewerbsverzerrung spricht.
Offen bleibt, wie schnell die neue Fabrik tatsächlich in voller Produktion läuft. Aussagen zu künftigen Produktionsmengen hängen vom Baufortschritt, von der Qualifizierung der Linien und von Abnahmeverträgen mit Kunden ab. Auch die genaue Investitionssumme bleibt vorerst eine Schätzung aus der Politik. Wer die Geschichte weiterverfolgt, sollte auf den Baustart, die ersten 300-Millimeter-Scheiben aus Itzehoe und die ersten Stellenanzeigen achten. Daran lässt sich ablesen, ob aus der Ankündigung ein laufendes Werk wird.
Frequently Asked Questions
Was stellt Vishay in Itzehoe her?
Vishay produziert in Itzehoe Halbleiter, bislang auf 200-Millimeter-Scheiben. Künftig sollen in einer neuen Fabrik 300-Millimeter-Scheiben gefertigt werden, aus denen Leistungstransistoren, sogenannte Power-Mosfets, entstehen. Diese Bauteile werden unter anderem in Elektroautos, Ladegeräten und Industriemaschinen eingesetzt.
Wie hoch ist die Förderung für den Ausbau?
Bund und Land stellen zusammen rund 215 Millionen Euro bereit. Davon kommen 172 Millionen Euro vom Bund und etwa 43 Millionen Euro vom Land Schleswig-Holstein. Die Europäische Kommission hatte die Hilfe bereits im Juli 2026 genehmigt.
Wie viele neue Jobs entstehen in Itzehoe?
Nach Unternehmensangaben sollen bis zu 250 neue Arbeitsplätze entstehen, obwohl die Produktion stark automatisiert abläuft. Die Stellen entstehen unter anderem in Betrieb, Wartung und Qualitätskontrolle der neuen Fertigungslinien.



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