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SAP TechEd 2026 in Berlin: KI-Agenten sollen Geschäftsprozesse künftig selbstständig steuern

SAP TechEd 2026 in Berlin: KI-Agenten sollen Geschäftsprozesse künftig selbstständig steuern

SAP TechEd 2026 in Berlin: KI-Agenten sollen Geschäftsprozesse künftig selbstständig steuern

Auf der SAP TechEd 2026 in Berlin hat SAP neue Funktionen für KI-Agenten vorgestellt. Die Konferenz fand vom 27. bis zum 29. Oktober 2026 statt und richtete sich an Entwicklerinnen, Entwickler und IT-Verantwortliche. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die viele Unternehmen gerade beschäftigt: Wie lassen sich KI-Agenten so einsetzen, dass sie echte Arbeit in Geschäftsprozessen übernehmen, ohne dass die Kontrolle verloren geht? SAP beantwortet diese Frage mit einer Kombination aus neuen Werkzeugen, einer zentralen Steuerungsebene und einer klaren Governance. Die Reaktionen zeigen aber auch, dass noch viele Details offen sind. Vor allem die deutschsprachige Anwendergruppe DSAG fordert mehr Klarheit zu Kosten und Integration.

Was SAP in Berlin vorgestellt hat

SAP verfolgt nach eigenen Angaben die Strategie des sogenannten Autonomous Enterprise. Dahinter steht die Idee, dass KI-Agenten zunehmend eigenständig Aufgaben in Geschäftsprozessen übernehmen. Auf der TechEd 2026 wurden dafür weitere technische Voraussetzungen vorgestellt. Im Mittelpunkt standen Joule Work, Joule Studio und die SAP Business AI Platform. Joule ist der KI-Assistent von SAP, der bereits in verschiedenen Anwendungen des Unternehmens steckt. Mit den neuen Bausteinen soll er von einem Assistenten, der Fragen beantwortet, zu einem System werden, das mehrstufige Abläufe plant und ausführt. Ein Beispiel wäre ein Prozess, bei dem ein Agent Daten aus mehreren Systemen sammelt, eine Entscheidung vorbereitet und erst dann eine menschliche Freigabe einholt.

Joule Work und Joule Studio im Detail

Joule Work ist laut SAP eine Arbeitsumgebung, in der Assistenten und Agenten mehrstufige Geschäftsprozesse orchestrieren. Das bedeutet in der Praxis, dass ein Agent nicht nur einen einzelnen Schritt erledigt, sondern eine Kette von Schritten über verschiedene Anwendungen hinweg koordinieren kann. Joule Studio ist dagegen das Werkzeug für Entwicklung, Anpassung, Überwachung und Prüfung eigener KI-Agenten. Unternehmen sollen damit eigene Agenten bauen, die auf ihre Prozesse zugeschnitten sind, und sie im Betrieb beobachten können. Nach Berichten über die TechEd ist Joule Studio schrittweise allgemein verfügbar, ebenso wie Joule Work. Für Joule Studio ist außerdem eine grafische Entwicklung mit n8n-Workflows für das vierte Quartal 2026 geplant. Damit könnten auch Teams ohne tiefe Programmierkenntnisse systemübergreifende Workflows zusammenstellen, indem sie Bausteine visuell verbinden.

Zentrale Steuerung mit dem Enterprise AI Gateway

Ein zweiter Schwerpunkt der Ankündigungen war die zentrale Steuerung. Das SAP Enterprise AI Gateway soll KI-Interaktionen, Richtlinien, Monitoring, Verbrauch und Auditierung an einer Stelle bündeln. Das ist für größere Unternehmen ein wichtiger Punkt. Bisher entstehen KI-Funktionen oft in einzelnen Abteilungen oder Projekten, jedes mit eigenen Regeln und Kosten. Ein zentrales Gateway soll dagegen Transparenz schaffen: Wer nutzt welche KI-Funktion, welche Daten fließen, und welche Kosten entstehen? Laut den auf der TechEd genannten Plänen ist das Enterprise AI Gateway für das erste Quartal 2027 geplant. Es handelt sich also noch nicht um ein sofort verfügbares Produkt, sondern um eine angekündigte Erweiterung. Daneben stellte SAP das Agent Gateway vor, das den kontrollierten Aufruf unterstützter SAP-Agenten durch Drittanbieter-Agenten über das Agent-zu-Agent-Protokoll, kurz A2A, ermöglichen soll. Der eingehende A2A-Zugriff ist demnach seit Oktober 2026 allgemein verfügbar. Der ausgehende A2A-Zugriff und die Anbindung über das Model Context Protocol, kurz MCP, sind noch geplant. Das zeigt eine klare Reihenfolge: Zuerst können externe Agenten SAP-Agenten beauftragen, die umgekehrte Richtung folgt später. Für Unternehmen, die beide Richtungen brauchen, ist das ein Detail, das sie bei der Planung beachten sollten.

Governance und der EU AI Act

Neben den technischen Werkzeugen stellte SAP auch einen KI-Governance-Assistenten vor. Er soll bei der Risikoeinstufung von KI-Anwendungen nach dem EU AI Act unterstützen. Das ist ein Thema, das in Deutschland und Europa immer wichtiger wird, weil der EU AI Act je nach Risikoklasse unterschiedliche Pflichten vorsieht. Ein Assistent, der bei der Einstufung hilft, kann vor allem für Teams nützlich sein, die nicht täglich mit Regulierung arbeiten. Auch hier gilt: Die Funktion ist nach den TechEd-Angaben für das vierte Quartal 2026 geplant. Sie ersetzt keine rechtliche Prüfung, kann aber eine erste Orientierung geben. SAP kündigte zudem an, seine Sovereign Cloud um SAP AI Core, Joule und SAP Datasphere zu erweitern. Die neuen Angebote sollen zunächst in Großbritannien verfügbar sein. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz wurde in den Berichten über die TechEd noch kein entsprechend konkreter Zeitplan genannt.

Was die DSAG fordert

Die Deutschsprachige SAP-Anwendergruppe, kurz DSAG, begrüßte nach Berichten die stärkere Offenheit und die neuen Governance-Möglichkeiten. Gleichzeitig forderte sie Klarheit darüber, wie sich die KI-Funktionen in bestehende hybride SAP-Landschaften integrieren lassen und welche Kosten im produktiven Betrieb entstehen. Das ist ein berechtigter Einwand. Viele SAP-Kunden betreiben eine Mischung aus eigenen Systemen, Cloud-Anwendungen und älteren Modulen. Eine neue KI-Ebene muss in diese gewachsene Landschaft passen, sonst bleibt sie ein isoliertes Pilotprojekt. Auch die Kostenfrage ist offen. SAP nannte laut den Berichten keine konkreten Preise für den produktiven Betrieb der neuen Funktionen. Unternehmen, die jetzt planen, sollten deshalb nicht nur die technischen Möglichkeiten prüfen, sondern auch die Lizenz- und Verbrauchsmodelle, sobald SAP sie veröffentlicht. Ein Pilotprojekt im kleinen Rahmen kann helfen, den tatsächlichen Nutzen zu messen, bevor größere Budgets freigegeben werden.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für Unternehmen in Deutschland ist die Botschaft der TechEd 2026 zweigeteilt. Einerseits zeigt SAP einen klaren Weg: von einzelnen KI-Assistenten hin zu Agenten, die Prozesse steuern, mit Werkzeugen zum Bauen, Überwachen und Steuern. Andererseits sind mehrere Bausteine erst für Ende 2026 oder Anfang 2027 angekündigt. Wer heute entscheidet, plant also teilweise mit Ankündigungen. Sinnvoll ist es, jetzt mit einem konkreten Anwendungsfall zu starten, der messbar ist. Ein Beispiel wäre ein wiederkehrender Prozess mit klaren Regeln, etwa die Vorbereitung von Berichten oder die Prüfung von Eingangsrechnungen. Dort lässt sich prüfen, ob ein Agent Zeit spart und ob die Ergebnisse zuverlässig sind. Wichtig ist auch, von Anfang an Regeln festzulegen: Welche Daten darf ein Agent sehen, welche Entscheidungen darf er allein treffen, und wann muss ein Mensch freigeben? Diese Fragen lassen sich nicht erst beantworten, wenn der Agent schon im Betrieb läuft.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Joule Work? Joule Work ist nach Angaben von SAP eine Arbeitsumgebung, in der Assistenten und Agenten mehrstufige Geschäftsprozesse orchestrieren. Sie soll Abläufe über verschiedene Anwendungen hinweg koordinieren, statt nur einzelne Aufgaben zu erledigen.

Wann ist das SAP Enterprise AI Gateway verfügbar? Nach den auf der TechEd 2026 genannten Plänen ist das Enterprise AI Gateway für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Es soll KI-Interaktionen, Richtlinien, Monitoring, Verbrauch und Auditierung zentral steuern.

Was kritisiert die DSAG an den Ankündigungen? Die DSAG begrüßt die Offenheit und die Governance-Möglichkeiten, fordert aber Klarheit zur Integration in hybride SAP-Landschaften und zu den Kosten im produktiven Betrieb. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz fehlt ihr außerdem ein konkreter Zeitplan für die erweiterten Sovereign-Cloud-Angebote.

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