JD.com vor der Tür: Warum Brüssel über die Zukunft von MediaMarkt und Saturn entscheidet
Wer in Deutschland einen Fernseher, ein Smartphone oder einen Laptop kauft, landet fast automatisch bei MediaMarkt oder Saturn. Beide Ketten gehören zum Düsseldorfer Konzern Ceconomy. Und Ceconomy steht kurz vor einem Besitzerwechsel, der die europäische Handelslandschaft umbauen könnte. Der chinesische Onlinehändler JD.com will das Unternehmen für rund 2,2 Milliarden Euro übernehmen. Doch vor dem Vollzug steht ein Torwächter in Brüssel.
Ein 2,2 Milliarden Euro schwerer Deal
Das Angebot liegt schon eine Weile auf dem Tisch. JD.com kündigte die Übernahme im Juli 2025 an und bietet den Aktionären 4,60 Euro je Aktie in bar. Gemessen an der Zahl der MediaMarkt- und Saturn-Märkte ist das ein erstaunlich nüchterner Preis: Mehr als 1.000 Filialen in elf europäischen Ländern gehören zu Ceconomy, dazu kommen Online-Shops, die in Deutschland zum Alltag gehören.
Für JD.com wäre der Kauf der größte Expansionsschritt in der Firmengeschichte. Der Konzern aus Peking zählt zu den größten Onlinehändlern Chinas und sucht seit Jahren Wege, außerhalb seines Heimatmarktes zu wachsen. Mit MediaMarkt und Saturn bekäme er nicht nur Schaufenster in europäischen Innenstädten, sondern auch ein eingespieltes Netzwerk aus Logistik, Lieferanten und Kunden.
Brüssel hat Bedenken
Der Haken an der Sache sitzt in Brüssel. Die EU-Kommission prüft die Übernahme nach der EU-Subventionsverordnung, einem Instrument, das unfaire staatliche Beihilfen aus Drittstaaten unter die Lupe nimmt. Die Sorge der Wettbewerbshüter: Hat JD.com vom chinesischen Staat vergünstigte Kredite, Steuererleichterungen oder Zuschüsse erhalten, die ihm einen unfairen Vorteil verschaffen?
Das Verfahren läuft unter dem Aktenzeichen FS.100253. JD.com meldete die Übernahme am 17. April 2026 in Brüssel an. Nach einer ersten Vorprüfung leitete die Kommission am 28. Mai eine vertiefte Untersuchung ein. Der Vorwurf im Raum ist konkret: staatlich gestützte Finanzierung könnte es JD ermöglichen, einen höheren Preis zu zahlen, als ein Händler ohne solche Rückendeckung zahlen könnte.
Zugeständnisse als Öffner
JD.com hat reagiert. Im August bot das Unternehmen an, Ceconomy seine europäischen Logistik- und Technologiekompetenzen zu Marktpreisen zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig sollten auch kleinere Konkurrenten diese Dienste zu fairen und nicht diskriminierenden Bedingungen nutzen dürfen. Die Idee dahinter: Ein möglicher Vorteil aus mutmaßlich staatlicher Unterstützung würde nicht exklusiv bei MediaMarkt und Saturn landen, sondern käme dem ganzen Markt zugute.
Nach Rückmeldungen von Kunden und Wettbewerbern besserte JD die Zusagen im September noch einmal nach. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom 2. Oktober 2026 rechnet eine mit der Sache vertraute Person damit, dass die EU den Deal nun genehmigt. Die Kommission, JD.com und Ceconomy äußerten sich auf Anfrage von Reuters nicht.
Österreich nickt schon, mit Auflagen
Ein anderer wichtiger Schritt ist bereits getan. Österreichs Prüfstelle für ausländische Direktinvestitionen erteilte der Übernahme Mitte Oktober eine Genehmigung mit Auflagen. Das Wirtschaftsministerium in Wien knüpfte seine Zustimmung an verbindliche Vorgaben zu Daten, Lieferketten und sicherheitsrelevanten Personalentscheidungen. Konkrete Details nannte das Ministerium mit Verweis auf den gesetzlichen Rahmen nicht.
Die österreichische Entscheidung zeigt, wie europäische Staaten den Deal einordnen: wirtschaftlich erwünscht, aber mit Sicherheitsgurten. Für JD.com war sie ein wichtiger Teilerfolg auf dem Weg zur vollständigen Freigabe.
Der Countdown läuft
Die Frist für die Brüsseler Entscheidung wurde nach den überarbeiteten Zusagen von JD.com verlängert. Reuters nennt den 4. November 2026 als Stichtag, bis zu dem die Kommission über den Deal entscheiden will. Bis dahin bleibt die Zukunft von MediaMarkt und Saturn in der Schwebe.
Ceconomy selbst arbeitet unterdessen weiter. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 erzielte der Konzern nach eigenen Angaben einen Umsatz von 18,4 Milliarden Euro, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei 342 Millionen Euro. Das Unternehmen wächst also, unabhängig davon, wer am Ende den Schreibtisch des Eigentümers besetzt.
Was der Deal für Kunden bedeuten würde
Für die Millionen Kunden von MediaMarkt und Saturn stellt sich vor allem eine Frage: Ändert sich etwas im Laden? Kurzfristig spricht wenig dafür. Übernahmen dieser Größenordnung laufen über Monate, und Marken, Filialen und Sortimente bleiben in der Regel zunächst unangetastet.
Mittelfristig könnte JD.coms Stärke in der Logistik allerdings spürbar werden. Der Konzern ist bekannt für schnelle Lieferketten und ein dichtes Netz aus Lagern. Sollte er diese Kompetenz nach Europa bringen, wie es die Zusagen an Brüssel vorsehen, könnten Lieferzeiten kürzer und die Verfügbarkeit von Geräten besser werden. Auch kleinere Händler, die Zugang zu JDs Logistik erhalten sollen, könnten davon profitieren.
Gleichzeitig dürften Verbraucherschützer genau hinschauen, wie es mit Daten und Preisen weitergeht. Die österreichischen Auflagen zu Daten und Personal zeigen, dass die Behörden diese Themen ernst nehmen. Dass JD seine Logistikdienste zu Marktpreisen anbieten will, ist ein Signal: Der Deal soll den Wettbewerb nicht verzerren, sondern nach Brüsseler Lesart geradezu beleben.
Frequently Asked Questions
Wie hoch ist das Angebot von JD.com für Ceconomy?
JD.com bietet den Aktionären 4,60 Euro je Aktie in bar. Das bewertet Ceconomy mit rund 2,2 Milliarden Euro, umgerechnet etwa 2,5 Milliarden US-Dollar.
Warum prüft die EU-Kommission die Übernahme?
Die Kommission untersucht nach der EU-Subventionsverordnung, ob JD.com unfaire staatliche Beihilfen aus China erhalten hat, etwa vergünstigte Kredite, Steuererleichterungen oder Zuschüsse. Die Prüfung läuft unter dem Aktenzeichen FS.100253, eine Entscheidung wird bis zum 4. November 2026 erwartet.
Was bedeutet die Übernahme für MediaMarkt- und Saturn-Kunden?
Kurzfristig voraussichtlich nichts: Marken, Filialen und Sortimente bleiben bei solchen Übernahmen zunächst bestehen. Mittelfristig könnte JD.coms Logistikkompetenz Lieferzeiten und Verfügbarkeit verbessern. Die österreichische Genehmigung knüpfte den Deal an Auflagen zu Daten und Lieferketten.



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