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Ifo-Studie warnt: Deutschland ist schlecht auf den KI-Boom vorbereitet

Ifo-Studie warnt: Deutschland ist schlecht auf den KI-Boom vorbereitet

Ifo-Studie warnt: Deutschland ist schlecht auf den KI-Boom vorbereitet

Deutschland droht nach einer neuen Studie des Ifo-Instituts den Anschluss beim wirtschaftlichen Potenzial künstlicher Intelligenz zu verpassen. Die Analyse wurde im Auftrag der Industrie und Handelskammer für München und Oberbayern erstellt und soll in Kürze veröffentlicht werden. Ihr Fazit fällt deutlich aus: Dem Land fehlen nach Einschätzung der Forscher entscheidende strukturelle Voraussetzungen, um die Wachstumschancen der Technik voll auszuschöpfen.

Die Meldung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem KI in fast jedem Wirtschaftsbereich diskutiert wird. Die Studie stellt dieser Aufbruchstimmung eine nüchterne Bestandsaufnahme gegenüber. Sie fragt nicht, ob KI wichtig wird. Sie fragt, ob Deutschland die Grundlagen dafür mitbringt. Die Antwort der Autoren lautet: nur zum Teil.

Was die Studie genau untersucht

Das Ifo-Institut in München hat drei Bereiche besonders geprüft: die Größe der Hightech-Branche, den Stand der Digitalisierung in der Verwaltung und die Anpassung des Bildungssystems an den Wandel durch KI. Alle drei Bereiche zeigen aus Sicht der Forscher Schwächen. Das ist der Kern der Warnung. Es geht nicht um ein einzelnes Problem, sondern um eine Kombination aus mehreren Baustellen, die sich gegenseitig verstärken.

Oliver Falck, Leiter des Ifo-Zentrums für Innovationsökonomik und digitale Transformation, fasste die Lage so zusammen: Die Hightech-Branche sei noch zu klein, die Verwaltung zu wenig digitalisiert, und das Bildungssystem passe sich nicht schnell genug an die Veränderungen durch KI an. Ein Land kann einzelne KI-Startups haben und trotzdem im Ganzen zurückfallen, wenn die Breite fehlt.

Eine Hightech-Branche, die zu klein ist

Der erste Befund betrifft den Sektor für Informations- und Kommunikationstechnologien, kurz IKT. Laut Ifo trägt dieser Sektor in Deutschland lediglich 4,6 Prozent zur heimischen Bruttowertschöpfung bei. Das liegt nach Angaben der Studie im unteren EU-Mittelfeld. In vielen europäischen Nachbarländern spielt die Tech-Branche demnach eine größere Rolle für die gesamte Wirtschaftsleistung als in Deutschland.

Noch deutlicher wird die Abhängigkeit beim Handel mit IKT-Dienstleistungen. Im Jahr 2025 importierte Deutschland nach Angaben der Studie Leistungen im Wert von 11 Milliarden US-Dollar mehr, als es exportierte. Ifo-Forscher Christian Pfaffl sagte dazu, kein anderes EU-Land sei im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie stärker vom Ausland abhängig als Deutschland. Das bedeutet nicht, dass Importe an sich schlecht sind. Es bedeutet aber, dass ein großer Teil der Wertschöpfung anderswo entsteht, wenn deutsche Firmen und Behörden KI-Werkzeuge, Cloud-Dienste und Software einkaufen.

Wer Technik vor allem einkauft, statt sie selbst zu bauen, hat weniger Einfluss auf Preise, Verfügbarkeit und Weiterentwicklung. Auch Arbeitsplätze in Entwicklung und Forschung entstehen dann eher dort, wo die Anbieter sitzen. Die Studie legt nahe, dass Deutschland diese Lücke nicht mit einzelnen Förderprogrammen schließt, sondern nur mit einer breiteren Hightech-Basis.

Die Verwaltung als zweite Baustelle

Der zweite Befund betrifft die öffentliche Verwaltung. Nach Analysen des Instituts gibt es bei der Digitalisierung der Verwaltung kaum Fortschritte, obwohl gerade dort viel Potenzial liegt. Verwaltungen verfügen über große Mengen an Daten, und KI könnte nach Ansicht der Forscher helfen, Bürgern und Unternehmen bessere Dienstleistungen anzubieten. Voraussetzung dafür ist, dass Prozesse digital laufen, Daten sauber gepflegt sind und Systeme miteinander sprechen können.

Wer schon einmal einen Antrag auf Papier gestellt oder wochenlang auf eine Rückmeldung gewartet hat, kennt das Problem aus dem Alltag. Digitalisierung entscheidet darüber, ob ein KI-Werkzeug überhaupt sinnvoll arbeiten kann. Ein Assistent, der Anträge vorsortiert, braucht strukturierte Daten. Fehlt diese Grundlage, bleibt KI ein Aufsatz auf einem analogen Prozess.

Bildung: Lücken bei digitalen Kompetenzen

Der dritte Befund betrifft das Bildungssystem. Bei Kompetenzen über dem Grundniveau liegt Deutschland nach Angaben der Studie unter dem EU-Durchschnitt. Besonders auffällig ist eine Zahl aus dem Schulbereich: 40 Prozent der Achtklässler erreichen laut Ifo-Daten nicht die zweite Kompetenzstufe im Umgang mit Computern und Daten. Ein großer Teil der Jugendlichen kommt nach dieser Messung über grundlegende Fähigkeiten nicht hinaus.

Diese Zahl sollte man richtig einordnen. Sie bedeutet nicht, dass Jugendliche keine Geräte bedienen können. Die meisten sind im Alltag mit Smartphones und Apps vertraut. Die Kompetenzstufe misst etwas anderes: ob Schülerinnen und Schüler Informationen gezielt suchen, bewerten, ordnen und für eine Aufgabe nutzen können. Genau diese Fähigkeiten werden im Berufsleben wichtiger, wenn KI Routineaufgaben übernimmt und Menschen die Ergebnisse prüfen, einordnen und verantworten müssen.

Warum die drei Befunde zusammenhängen

Einzeln betrachtet klingt jeder Befund nach einer eigenen Debatte. Zusammen ergeben sie ein Bild, das die Warnung verständlich macht. Eine kleine Hightech-Branche liefert weniger heimische KI-Lösungen. Eine langsam digitalisierte Verwaltung kann die Technik nur begrenzt nutzen. Ein Bildungssystem mit Lücken bildet weniger Menschen aus, die KI bauen, einführen und kritisch prüfen können. Jeder Bereich verstärkt den anderen.

Für Beschäftigte ist die Botschaft zweigeteilt. KI-Kenntnisse werden immer wichtiger, aber sie entstehen nicht von allein. Sie brauchen Angebote in Schulen, Hochschulen und Betrieben, die leicht zugänglich sind und zum Arbeitsalltag passen. Für Unternehmen heißt das: Der Kauf eines KI-Werkzeugs allein reicht nicht. Firmen müssen prüfen, ob ihre Daten sauber sind, ob ihre Prozesse digital laufen und ob ihre Beschäftigten geschult sind.

Was jetzt zu beobachten ist

Da die Studie nach den vorliegenden Berichten in Kürze vollständig veröffentlicht wird, lohnt sich ein Blick auf die Details, sobald sie vorliegen. Drei Fragen werden dann besonders interessant sein. Erstens: Welche konkreten Maßnahmen schlagen die Autoren vor? Zweitens: Wie bewerten andere Institute und Verbände die Zahlen, etwa zum IKT-Anteil und zur Handelsbilanz bei Dienstleistungen? Drittens: Reagieren Politik und Wirtschaft mit neuen Zusagen, oder bleibt es bei der Feststellung des Problems?

Die Warnung richtet sich an den Standort Deutschland als Ganzes, nicht an einzelne Unternehmen oder Forschungseinrichtungen. Deutschland hat starke Industrieunternehmen und gute Forschung. Die Studie sagt lediglich, dass diese Stärken bisher nicht breit genug wirken.

Frequently Asked Questions

Was sagt die neue Ifo-Studie über Deutschland und KI?

Die Studie im Auftrag der IHK für München und Oberbayern kommt zu dem Schluss, dass Deutschland entscheidende strukturelle Voraussetzungen fehlen, um das Wachstumspotenzial von KI voll auszuschöpfen. Als Schwächen nennt sie eine zu kleine Hightech-Branche, eine zu wenig digitalisierte Verwaltung und ein Bildungssystem, das sich nicht schnell genug an den Wandel durch KI anpasst.

Wie groß ist der IKT-Sektor in Deutschland laut Studie?

Laut Ifo trägt der Sektor für Informations- und Kommunikationstechnologien lediglich 4,6 Prozent zur heimischen Bruttowertschöpfung bei. Das liegt im unteren EU-Mittelfeld. Bei IKT-Dienstleistungen importierte Deutschland im Jahr 2025 nach Angaben der Studie Leistungen im Wert von 11 Milliarden US-Dollar mehr, als es exportierte.

Was sagt die Studie über digitale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern?

Laut Ifo-Daten erreichen 40 Prozent der Achtklässler nicht die zweite Kompetenzstufe im Umgang mit Computern und Daten. Bei Kompetenzen über dem Grundniveau liegt Deutschland nach Angaben der Studie unter dem EU-Durchschnitt. Das gilt als Risiko, weil im Berufsleben immer stärker gefragt ist, Informationen gezielt zu suchen, zu bewerten und für eine Aufgabe zu nutzen.

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