Vor dem Digital-Gipfel: eco fordert konkrete Maßnahmen für den KI-Standort Deutschland
Deutschland darf den Anschluss bei Künstlicher Intelligenz nicht verlieren. Das ist die Kernbotschaft eines Appells, den der Verband der Internetwirtschaft eco am 28. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Wenige Tage vor dem Digital-Gipfel der Bundesregierung am 2. und 3. November fordert der Verband, dass aus Ankündigungen endlich konkrete Maßnahmen werden. Die Lage ist nach Einschätzung von eco ernst: KI ist für deutsche Unternehmen längst ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, doch hohe Energiekosten, langwierige Genehmigungsverfahren und wachsende Regulierung bremsen Investitionen aus.
Was eco konkret fordert
Im Mittelpunkt des Appells mit dem Titel "Vom Anspruch zur Umsetzung: Den KI-Standort Deutschland jetzt stärken" stehen drei Baustellen. Erstens der Ausbau leistungsfähiger Rechenzentren. Ohne ausreichend Rechenkapazität im eigenen Land können weder große Konzerne noch mittelständische Betriebe KI in der Breite einsetzen. Die von der Bundesregierung beschlossene Rechenzentrumsstrategie sei ein wichtiger Schritt, müsse nun aber zügig umgesetzt werden, so eco. Zweitens wettbewerbsfähige Energiepreise. Rechenzentren und KI-Anwendungen verbrauchen viel Strom, und solange dieser in Deutschland deutlich teurer ist als in anderen Ländern, wandern Investitionen ab. Drittens schnellere Genehmigungsverfahren, damit neue Infrastruktur nicht jahrelang in der Planung stecken bleibt.
120 Milliarden Euro Umsatz mit KI
Wie groß der Einsatz inzwischen ist, zeigt eine Studie, die eco gemeinsam mit IW Consult erstellt hat. Demnach erzielen Unternehmen in Deutschland bereits mehr als 120 Milliarden Euro Umsatz mit Produktinnovationen und Dienstleistungen, die KI-Elemente enthalten. Das ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern ein messbarer Teil der heutigen Wirtschaft. Gerade deshalb warnt der Verband davor, diesen Vorsprung durch neue Belastungen zu verspielen. Einer Debatte über eine mögliche KI-Steuer erteilt eco eine klare Absage. Eine solche Abgabe würde nach Einschätzung des Verbandes nicht nur große Technologieunternehmen treffen, sondern über steigende Kosten auch mittelständische Betriebe und Start-ups, die KI in ihre Produkte und Prozesse integrieren.
Weniger Bürokratie, mehr Rechtssicherheit
Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geht es eco auch um die Regeln selbst. Der Verband fordert eine spürbare Vereinfachung der europäischen Digitalregulierung und mehr Rechtssicherheit für die Entwicklung und das Training von KI. Nationale Sonderregelungen, die den europäischen Binnenmarkt fragmentieren, lehnt eco ab. Für Unternehmen, die in mehreren Ländern tätig sind, ist ein einheitlicher Rechtsrahmen ein klarer Vorteil. Jede zusätzliche nationale Extraregel bedeutet dagegen neue Prüfungen, neue Dokumentation und neue Kosten. Genau diese Reibungsverluste will der Verband vermeiden.
Der Digital-Gipfel als Bewährungsprobe
Der Digital-Gipfel am 2. und 3. November wird damit zur Bewährungsprobe für die KI-Politik der Bundesregierung. eco-Vorstandsvorsitzender Oliver Süme formulierte es in der Mitteilung des Verbandes so: "Der Digital-Gipfel darf kein Gipfel der guten Absichten bleiben. Jetzt müssen politische Entscheidungen folgen, die Investitionen ermöglichen, Innovationen erleichtern und Wertschöpfung in Deutschland sichern." Die Botschaft richtet sich nicht nur an die Politik. Auch die Wirtschaft selbst ist gefragt, denn viele Unternehmen zögern noch, KI über einzelne Pilotprojekte hinaus in den Alltag zu bringen.
Warum das Thema jetzt drängt
Der Zeitpunkt des Appells ist kein Zufall. Erst Mitte Oktober hatten Bundesregierung und Nvidia eine Absichtserklärung zur industriellen KI unterzeichnet, und beim Investitionsgipfel in Berlin warb die Regierung um internationales Kapital. Solche Signale sind wichtig, doch sie ersetzen keine Rahmenbedingungen. Rechenzentren brauchen Strom zu bezahlbaren Preisen und Genehmigungen in Monaten statt Jahren. Start-ups brauchen klare Regeln, an die sie sich halten können, ohne eine eigene Rechtsabteilung aufbauen zu müssen. Und der Mittelstand braucht Zugang zu Rechenleistung, die er sich leisten kann. Wenn diese Punkte auf dem Digital-Gipfel nicht angegangen werden, droht Deutschland nach Ansicht von eco, bei einer der wichtigsten Schlüsseltechnologien wirtschaftliche Chancen zu verspielen.
Was Beobachter nun erwarten
Beobachter werden den Gipfel daran messen, ob konkrete Zusagen folgen: ein Zeitplan für die Rechenzentrumsstrategie, Entlastungen bei den Energiekosten und ein klares Bekenntnis gegen neue nationale Alleingänge bei der KI-Regulierung. Auch die Frage, wie kleine und mittlere Unternehmen besser an KI-Infrastruktur herankommen, dürfte eine Rolle spielen. Denn viele dieser Betriebe haben weder eigene Rechenzentren noch große IT-Abteilungen, sind aber auf bezahlbare Cloud-Leistung und klare Regeln angewiesen, um KI überhaupt sinnvoll einsetzen zu können. Förderprogramme, die genau dort ansetzen, könnten den Unterschied machen zwischen einer KI-Politik, die nur Konzerne erreicht, und einer, die in der Breite wirkt. Denn die 120 Milliarden Euro Umsatz zeigen, dass KI in Deutschland bereits Geld verdient. Ob daraus dauerhaftes Wachstum wird, hängt nun davon ab, ob die Politik die Rahmenbedingungen liefert, die eco in seinem Appell einfordert.
Was Unternehmen selbst tun können
Während die Politik über Rahmenbedingungen entscheidet, können Unternehmen schon heute einiges selbst in die Hand nehmen. Wer KI einsetzt, sollte zuerst klären, welche Werkzeuge im Team erlaubt sind und mit welchen Daten sie arbeiten dürfen. Eine kurze, schriftlich festgehaltene Regel spart später viele Diskussionen und schützt vor unbedachten Eingaben sensibler Informationen. Zweitens lohnt sich ein Blick auf die eigenen Prozesse: Wo wiederholt sich Arbeit, die eine KI zuverlässig übernehmen kann, und wo bleibt der Mensch unverzichtbar? Pilotprojekte, die klein starten und messbar sind, zeigen schneller, ob sich eine Investition lohnt, als große Pläne ohne klares Ziel. Drittens sollten Betriebe ihre Mitarbeitenden mitnehmen. Schulungen und praktische Übungen bauen Berührungsängste ab und sorgen dafür, dass neue Werkzeuge wirklich genutzt werden. Gerade im Mittelstand entscheidet oft nicht die Technik, sondern die Akzeptanz im Team darüber, ob ein KI-Projekt gelingt.



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